Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/31/
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Kleinstaat haben wir die von Gerard Batliner dargestellten politi 
schen Strukturen; doch im Zeitalter numerischen Wägens dürfen die 
Gefahrenquellen nicht übersehen werden. Sie liegen im Staat selbst, 
der, ob der Angst, nichts zu sein, Staatsbewußtsein und Profil ver 
liert. 
Was sagt die Geschichte zu unserem Staatsbewußtsein? Die Ge 
schichte des 19. Jahrhunderts beantwortet die Frage zureichend. (Ich 
verweise in diesem Zusammenhang auf die Dissertation von Quade- 
rer und von Geiger.) Vorerst die beinahe kabarettistische Situation, 
in der Napoleon Liechtenstein die Souveränität gewährte, ohne daß 
sie gewünscht wurde. Aus der Souveränität erwuchsen vorerst nur 
Nachteile: menschliche und wirtschaftliche Opfer. Als Vorarlberg 
1809 sich gegen die Franzosen erhob und unterlag, gingen die Ge 
rüchte um, Liechtenstein werde zu Bayern geschlagen. Zwar verstand 
Fürst Johann I. vortrefflich, seinen Status als souveräner Fürst am 
Wiener Kongreß, im Deutschen Bund und in der Heiligen Allianz 
ins Spiel zu bringen, doch lebte das Volk, politisch entrechtet, in 
größter Armut. Selbst Peter Kaiser konnte sich vorerst nicht von der 
Idee einer größeren deutschen Nation, in welcher Liechtenstein als 
beschränkt autonomes Gebilde leben sollte, lösen. Ja, er zweifelte 
sogar zeitweilig am Sinn eines souveränen Fürstentums. «Wenn das 
Ländlein nichts Eigenthümliches hat.. ., ist es dann nicht besser, es 
sei ganz österreichisch?» Nach der Rückkehr aus Frankfurt riet Kaiser 
seinen Landsleuten, nach Unabhängigkeit zu streben, soweit es die 
Bundesverfassung zulasse. Fürst Alois II. befürchtete, daß eine liech 
tensteinische Selbständigkeit im Deutschen Bund zum «Fluche für 
Kleine Staaten» werden könnte, und der Fürst wollte die Selbstän 
digkeit nur soweit wahren, als das Land Wert auf Selbständigkeit lege. 
Dr. Schädler, Kaisers Nachfolger in Frankfurt, stand in der Bundes 
versammlung einer Woge von Mediatisierungsplänen der Kleinstaaten 
gegenüber. Schädler erkannte in Liechtenstein den «Mangel an Stoff 
und Kraft», um einen Staat zu bilden. 
Die stete Infragestellung unserer Souveränität ist auch für die zweite 
Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeichnend. Bald hieß es, Liechtenstein 
werde schweizerisch, bald österreichisch. Die numerische und quan 
titative Bedeutungslosigkeit Liechtensteins waren denn auch ein 
wesentlicher Grund für die Verweigerung der Aufnahme Liechten 
steins in den Völkerbund. — Die in der Geschichte wurzelnden An 
schlußbestrebungen erreichten vor und während des letzten Welt 
krieges einen gefährlichen Punkt. 
Aus der kurzen Skizze können wir folgern: Gefährdung unserer 
Staatlichkeit von außen durch utilitaristische, wirtschaftliche und ideo
        

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