Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/30/
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Stern) über die «institutioneilen, administrativen und finanziellen 
Aspekte der Kulturpolitik». Es war das erstemal, daß auf höchster 
Ebene 86 Staaten über Kulturpolitik berieten. Die Teilnehmer waren 
selbst überrascht, wie gleichgelagert die kulturpolitischen Probleme 
in nahezu allen Staaten der Erde sind. Seit dieser Tagung ist Kultur 
politik zu einem internationalen Thema ersten Ranges geworden. Die 
Konferenz hieß in erstaunlicher Einmütigkeit folgende Prinzipien 
gut: 
1. Die kulturelle Entwicklung ist Voraussetzung jedes wirtschaftli 
chen und sozialen Fortschrittes. Ziel jedes sinnvollen Fortschrittes 
ist der Mensch und nicht der wirtschaftliche Fortschritt als solcher. 
In diesem Sinne werden im Dienste der Entwicklung kulturpoli- 
, tische Faktoren entscheidender als wirtschaftlicher Wachstum, so 
daß heute selbst Industriestaaten Entwicklungsländer sind. 
2. Kulturförderung gehört zu den unausweichlichen Aufgaben eines 
modernen Staates. 
3. Das Recht auf Kultur ist ein fundamentales Menschenrecht. Kultur 
ist kein Privileg bestimmter Schichten. 
Kulturförderung durch den Staat umfaßt nach Meinung der Kon 
ferenz vornehmlich die Pflege der Strukturen im Bildungs- und 
Kultursektor: Museen, Bibliotheken, Bildungszentren, Theater, 
Radio, Fernsehen, Schutz der Kulturgüter, Freizeitgestaltung, Um 
weltschutz; kurz alles, was die Qualität des Lebens erhöht. 
Auf der beinahe gleichen Linie liegen die Bemühungen des «Conseil 
de la Cooperation Culturelle» in Straßburg. 
Nach allgemeiner Ansicht ist die Kultur eine eminent wirklichkeits 
formende Kraft. Mit dem Verweis auf diese Einsicht gehen wir nun 
2.ur Erörterung der liechtensteinischen Kulturpolitik über. 
II. Der Staat Liechtenstein 
a) Liechtensteinisches Staatsbewußtsein 
Wenn wir als Staat Kulturpolitik betreiben, müssen wir auch die Ge 
wißheit haben, Staat zu sein. Ich gehe von der Voraussetzung aus, 
daß Liechtenstein ein Staat ist. Dabei versteht sich unser Staat als 
eine Rechtsgemeinschaft, die historisch gewachsen ist und sich in 
Verträgen der Anerkenntnis der anderen Staaten versichert hat. 
Während die Nationen in ihrem Staatsanspruch ideologische, ethnolo 
gische, geographische und wirtschaftliche Komponenten verrechnen, 
kann Liechtenstein nur den historisch beweisbaren Anspruch vorwei 
sen. Liechtenstein ist also keine Nation, sondern Kleinstaat. Als
        

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