Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
1
Erscheinungsjahr:
1977
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000053938/11/
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Bedeutung her beurteilen Im Ausland sprach kaum jemand von 
Liechtenstein, und in Liechtenstein tobte der Postautohalterstreit.» 
Wir fühlen oft als Region und nicht als Staat mit voller Verantwor 
tung für sich selbst in der Welt. Wir haben das Geschenk, ein Staat 
zu sein, immer noch nicht ganz angenommen. Wem das Frauenstimm 
recht (ablehnende Abstimmung am 28. Februar 1971) nicht lieb war, 
dem hätte wenigstens unser Staat lieb sein müssen. Walter B. Wohl 
wend hat dies im Fernsehkommentar vom 28. Februar 1971 so ausge 
drückt: «Die kleinen, spezifisch liechtensteinischen Sorgen ... er 
scheinen dem größeren Teil der Liechtensteiner vorderhand immer 
noch wichtiger als das Bild seines Staates im allgemeinen und nach 
außen.» Wieviel in dieser Abstimmung für unseren Staat und sein 
Fortkommen involviert war, ist wohl überdeutlich. 
Zur inneren Bewußtseinsschwäche kommen auch Gefahren für den 
Staat von außen. Was bedeutet Liechtenstein im Ausland? Einige er 
blicken in unserem Staat einen Schlupfwinkel der Romantik. Andere 
ein «valley of peace» (Barbara Green), ein Tal des Friedens. Unser 
Land besitzt eine merkwürdige Eignung, sich mit nahezu nichts 
Freunde zu machen, wenn wir nur wollen und das Land nicht selbst 
verderben. Warum? Vielleicht suchen manche in unserem Land etwas, 
was in den großen Staaten verlorengegangen ist, mag sein, ein valley 
of peace. Und übersehen wir nicht die Monarchie für das Ansehen 
unseres Staates. Daher ist es wichtig, daß sie zu sich und daß Liech 
tenstein zu ihr Sorge trägt. Glauben Sie ja nicht, daß einem Präsiden 
ten einer Republik Liechtenstein beim neulichen Staatsbesuch in Bern 
(Oktober 1970) ein so großartiger Empfang hätte zuteil werden kön 
nen. Einige Ausländer sehen in unserem Staat ein Land der Operette, 
andere ein Tourist-Office, ein Briefmarkenalbum, andere ein R A duit 
des Heiligen Römischen Reiches. Andere verwechseln uns mit Finn 
land. Wieder andere halten unseren Staat für ein Steuerparadies, ein 
Bürotel, einen Sitz des schlechten Gewissens. Das deutsche Nachrich 
tenmagazin «Der Spiegel» vom 4. Januar 1971 veröffentlichte einen 
Ausspruch, wonach Liechtenstein «ein unseriöses Land» ist, ein unge 
heuerlicher Vorwurf, den wir schärfstens zurückweisen. Jeder Staat 
ist in der Lage, dem anderen Sünden aus Gegenwart und Vergangen 
heit vorzuhalten. Dennoch, nehmen wir den Vorwurf nicht leicht, bei 
vielen gilt unser Land als unseriös oder einfach als nicht ernst zu 
nehmend. Als uns wegen Steuerentgang in Österreich das Doppelbe 
steuerungsabkommen gekündigt worden war, und der Schweiz nicht, 
mußten wir in Wien erfahren, daß man uns im Vergleich zur Schweiz 
für «harmlos» hielt. Im Europarat stoßen wir als zu kleines Land auf
        

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