Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000048731/179/
Monarchie und Demokratie als Kontroversfragen wie vor Gültigkeit hatten, dass die gesamte Staatsgewalt im Oberhaupte des Staates vereinigt bleiben müsse (Art. 57). Obwohl das Konfliktmuster im Grunde dasselbe wie 1859/62 war - die Landesverweser Menzinger und von Hausen entwarfen wie Prinz Karl von Liechtenstein und Dr. Josef Peer einen Verfassungsentwurf und wie Linde tat sich Prinz Eduard von Liechtenstein zeitweilig als Berater des Fürsten hervor - war der politische Hintergrund ein anderer. Die Verfassunggebung musste sich an den Forderungen der demokratischen Bewegung orientieren, namentlich am Verfassungsentwurf von Dr. Wil­ helm Beck und dessen Verständnis einer parlamentarischenRegierung. Der Abneigung bzw. Ablehnung der konservativen Kräfte gegenüber der postulierten Regierungsform liegen mehrerlei Ursachen zugrunde. Diese Regierüngsform'lässt sich mit dem monarchischen 
!Prinzip nicht mehr vereinbaren und stellt daher einen Einbruch in die monarchische Ordnung dar. Es wird gegenüber dem konstitutionellen System ein anderer Typ Staat manifest. In einer Zeit des Umbruchs wird dieser Wechsel besonders stark empfunden. Man sucht in der Vergangenheit das Alt-Bewährte, so dass die bisherige Ordnung in neuem Glanz erstrahlt. Dies ersehen wir aus der Berichterstattung von Dr. Albert Schädler (Landtagspräsident bis 1918), wenn er- über den .Landtag schreibt: " Das Heil aber liegt nicht in der im Lande schon allzu lange wirkenden Zerrissenheit, welche diese geschilderten Zustände hervor­ rief, sondern in der Wiederherstellung des inneren Friedens, welcher unser früher ruhiges und glückliches Volk beseelte, und;in der energi­ schen Arbeit einer starken und von Parteihader und von Volkslaunen unabhängigen Regierungw.109 Wohin die demokratische Entwicklung die Monarchie gebracht hatte, war angesichts .der Beispiele in Österreich und Deutschland jedermann offenkundig. Wenn es auch nicht soweit kommen sollte, so war doch die Angst der politischen Entmachtung vorhanden. . Es musste ein Kompromiss gefunden werden. Die Schlossabmachun­ gen brachten die Klärung: monarchische Staatsform und "Parlamentari­ sierung" der Regierung. Diese ist nicht mehr nur auf den Monarchen wie bis anhin ausgerichtet und vom Landtag unabhängig, sondern vielmehr auf beide ausgerichtet worden. Einsetzung und Amtsdauer der Regie­ rung sind nach beiden Seiten hin orientiert (Art. 79 und 80). Es fällt aber 139 Schädler, Jb. 1921, S. 48. 183
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.