Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000048731/178/
Herbert Wille Vertretung 
nicht mehr besitzt."107 In die gleiche Richtung weist auch die Begründung des Initiativantrages vom 24. Oktober 1918 zur Einführung einer parlamentarischen (Volksmit-)Regierung. 2. Entstehungsgeschichte Nach dem 7. November 1918 drängte der Verfassungsprozess mit einer sachlichen Notwendigkeit auf eine Parlamentarisierung der Regierung. Diese wurde zu einem Fixpunkt der gegensätzlichen Gestaltungsprinzi­ pien der bisherigen konstitutionellen Monarchie mit ihrem monarchi­ schen Prinzip und der neuen "demokratischen" Monarchie mit ihrer Volkssouveränität, die in der Verfassung verankert werden sollte. Der Landtagsbeschluss vom 10. Dezember 1918 widerspiegelt noch ein Zwischenstadium dieser liechtensteinischen Verfassungsentwicklung, das die Jahre bis zum Inkrafttreten der Verfassung am 5. Oktober 1921 charakterisierte. Das im Landtagsbeschluss entworfene Regierungssy­ stem entsprach zwar nicht mehr den Vorstellungen einer monarchisch- konstitutionellen Verfassung, ist aber noch nicht über Ansätze einer par­ lamentarischen Regierungsform hinausgekommen.108 Die Entwicklung liess sich nicht mehr aufhalten. Wie immer die geplante oder erhoffte Umwandlung sich vollziehen sollte, die parlamen­ tarische Machterweiterung nahm ihren Fortgang. Sie war zum Symbol des Anbruchs einer neuen Zeit geworden, in der die "Fremdbeamten­ herrschaft" keinen Platz mehr hatte. Es wäre aber falsch, darin eine Stim­ mung gegen die Monarchie ausmachen zu wollen. Fürst Johann II. stand für den Staat Liechtenstein und war selber an einer Verfassungsänderung interessiert. Er schaltete sich - wie ausgeführt - im September 1920 per­ sönlich in die Verfassungsdiskussion ein und vermittelte zwischen den Parteien. Die Lösung des Konflikts in der Frage des Regierungssystems lief auf einen Kompromiss hinaus. Wie schon 1862 mussten die gegensätzlichen Interessen ausbalanciert werden. Allerdings brauchte der Fürst damals von der Volkssouveränität keine Notiz zu nehmen, bestimmten doch die Wiener Schlussakte vom 15. Mai 1820, denen das Fürstentum Liechten­ stein als Mitglied des Deutschen Bundes verpflichtet war und die nach 107 Wille, LPS 6, S. 104, Anm. 184. 108 Vgl. Bermbach, S. 81. 182
        

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