Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000048731/172/
Herbert Wille ander eingespielte Parteien voraus.881 Diese waren damals politische Gruppierungen ohne formuliertes Programm. Sie mussten sich zuerst noch finden und festigen. Sie wussten im Grunde noch nicht genau - das traf zumindest auf die spätere Fortschrittliche Bürgerpartei zu was sie an der Verfassung geändert haben und wie sie dabei vorgehen wollten. Der Zwiespalt vergrösserte sich zwischen ihnen, als sie sich programma­ tisch formierten, so dass sie zueinander auf Distanz gingen. Die Voraus­ setzungen für eine parlamentarische Regierungsbestellung waren dem­ nach bei den Parteien kaum gegeben, wie man dies auch aus der späteren Auseinandersetzung in der Landesverweserfrage um die Person von Dr. Josef Peer ersehen kann. Zudem machte sich der Mangel an geeigneten einheimischen Persönlichkeiten bemerkbar. 5. Konservative Grundstimmung89 Das Warten auf die Antwort des Fürsten nach dem 7. November 1918 brachte die volle Wirkung der Handlungsweise des Landtags zum Vor­ schein. Man war geschlossen - mit Ausnahme der fürstlichen Abgeord­ neten - gegen die Fremdbestimmung der Regierung aufgetreten. Die Konsequenzen wurden aber auf konservativer Seite zu wenig bedacht. Je länger die Ungewissheit des Ausgangs dauerte, verstärkte sich der Ein­ druck, die Monarchie könnte Schaden leiden. Die Mehrheit des Volkes trug den Entscheid des Landtages nicht mit. Es bestand kein Anlass zu vorschnellem Handeln, zumal der Fürst Konzilianz zeigte, indem er zusagte, in Zukunft und zwar vor Inkrafttreten einer allfälligen neuen Verfassung den Landesverweser sowohl in der Person als auch hinsicht­ lich seiner Landeszugehörigkeit nur mehr im Einvernehmen mit dem Landtag zu ernennen. Mit dieser Zusage kam er dem Volksanliegen in der Hauptsache entgegen, so dass sich die Handlungsweise des Land­ tages als überstürzt ausnehmen musste. Man wollte angesichts der revo­ lutionären Vorgänge im benachbarten Ausland keine verfassungspoliti­ schen Experimente, die die monarchische Staatsordnung hätte gefährden können.90 001 Siehe auch Bermbach, S. 22, 63. 09 Vgl. das Gedicht von Josef Gassner "Stehen wir um den Thron geschart", in: LVobl. Nr. 79, 2. Oktober 1920 "Zum 80. Gebunsfeste Seiner Durchlaucht des regierenden Landes­ fürsten". 90 Vgl. dazu die Siellungsnahmen des LVobl. Nr. 50 vom 13. Dezember 1918 "Zum Liech­ tensteiner Staatsstreich" und Nr. 51 vom 20. Dezember 1918. 176
        

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