Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000048731/169/
Monarchie und Demokratie als Kontroversfragen und Rechtsprechung vollkommen selbständig im Lande auszugestalten und die Souveränität des Landes mehr zur Geltung zu bringen. Insbe­ sondere der seit Jahren bestehende Gebrauch-der Betrauung eines ehe­ maligen österreichischen Staatsbeamten mit dem Posten eines Landes­ verwesers sollte eine Abänderung erfahren. Als Ergebnis der gegen­ ständlichen Besprechungen sicherte der Fürst dem Lande die künftige Ernennung des Landesverwesers als obersten Chef der Regierung im Einvernehmen mit dem Landtage zu und erfolgte über Wunsch des Lan­ des die Betrauung des Prinzen Karl mit diesem Posten. In gleicher Weise gewährte der Fürst dem Landtage das Recht, die bisher von ihm ernann­ ten zwei Regierungsräte, welche dem Landesverweser als Regierungsor­ gane zur Seite stehen, aus sich zu wählen ... "M Ein System, bei dem alle Macht auf einen Träger konzentriert blieb (monarchisches Prinzip), vermochte den Verfassungserfordernissen der Zeit nicht mehr starizuhalten. Selbst Konservative wie Dr. Albert Schäd- ler, sprachen von dem "im Zuge der Zeit liegenden demokratischen Gei­ ste".85 Wollte der Fürst Herr der Verfassungsauseinandersetzungen blei­ ben, musste er. zu Zugeständnissen bereit sein und gleichzeitig die Inter­ essen der Monarchie in die Verfassungsdiskussion einbringen, und zwar so, dass er nicht nur zum Vetoorgan eigener Interessen wurde. Es galt vielmehr. Staatsinteressen geltend zu machen, was ihm als Wohltäter des Landes nicht schwer fiel. Dr. Albert Schädler. berichtet: "Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass innert der nun 60jährigen Regierung des jet­ zigen von allen hochverehrten Fürsten Johann II:;-.dessen seltenes Jubiläum wir kürzlich feiern konnten, zur Hebungvdes-Volkswohles mehr geschehen ist, als vorher in mehreren Jahrhunderten."^ Der Fürst und seine Berater87 erkannten, dass in dieser Situation ein reaktionäres w LLA, SF Präs. 1919/ZI. 17. " Schädler, Jb. 192!, S. 8; zum Zeitgeist siehe Würtenberger, S.22, 29,30. 16 Schädler, Jb. 1921, S. 72; vgl. auch ON Nr..91, 17. November 1923 "Johann der Gute". Hier heisst es u.a.: "Hehre Auffassung der Herrscherpflicht liess dem Fürsten, seinem Lande, neue Wege weisen und durch beträchtliche Beisteuerung eigener Mittel seih Volk . und Land wieder wirtschaftlich gesunden". 17 Es sei an die Funktionen erinnert, die die Prinzen Eduard, Franz (nachmaliger Fürst), Johannes und Karl von Liechtenstein im Zusammenhang mit der Verfassung wahrge­ nommen haben. In der Gratulationsadresse an den späteren Fürsten Franz lesen.wir "Besonders in den letzten Jahren hat der hohe Jubilar seine Tätigkeit immer mehr dem ' Fürstentum gewidmet und den regierenden'Fürsten in der Regierung kräftigst unter­ stützt" (ON Nr. 68, 29. August 1923 "Zum 70. Geburtstage unseres Thronfolgers"). 173
        

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