Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000048731/165/
Monarchie und Demokratie als Kontroversfragen Es ist die liberale Geisteshaltung, die ihm bei der Volkspartei missfällt. Von diesem antikirchlichen Stigma kommt die Volkspartei nicht mehr los. Die Liechtenstein-Vereine in der Schweiz, die der Volkspartei nahe­ standen, leisteten Vorschub. In einer Resolution vom 20. Juni 1920, die die Oberrheinischen Nachrichten abdruckten, hiess es u.a.: "Die Liech­ tensteiner in der Schweiz verlangen die unverzügliche gesetzliche Aner­ kennung der Zivil-Ehe, gleich wie in der Schweiz." Diese Forderung ver­ anlasste einen Einsender im LVobl vom 7. Juli 1920 zur Feststellung, es gehe nicht an, sich katholische Volkspartei zu nennen und im Parteiblatte für die Zivilehe in einem rein katholischen Lande einzutreten.77 IV. Politische Lage im Vorfeld der Verfassungsdiskussion 1. Zeitumstände Die fortschreitende Demokratisierung in Deutschland und Österreich78 blieb nicht ohne Auswirkungen auf Liechtenstein. Funken der revolu­ tionären Stimmung schlugen am 7. November 1918 auf das Land über. Sie entzündeten sich aber nicht zu einem Brand. Der 7. November 1918 blieb ein Einzelfall im Verlaufe der Verfassunggebung. Die Mängel der Verfassung offenbarten sich vor allem im Regierungssystem. Fürst Johann II. schätzte die Lage richtig ein. Er zeigte sich reformbereit und stellte Korrekturen am konstitutionellen System in Aussicht, wie es die Abmachungen im Landtagsbeschluss vom 10. Dezember 1918 belegen. Er hatte bereits Erfahrung im Umgang mit Verfassungsrevisionen. Davon zeugt die Konstitutionelle Verfassung von 1862. Auch sie ging auf Forderungen des Volkes (Landstände) zurück. Es galt, sich auf die neue Situation einzustellen und initiativ zu werden.7' Wie damals, so ging es im Grunde auch jetzt um die Frage der Macht­ verteilung im Staat und darum, sie der neuen Lage anzupassen. Man könnte in Anlehnung an Leopold von Ranke die Verfassungssituation in dem Sinne verdeutlichen, dass als "leitende Tendenz" der Zeit "die Aus­ einandersetzung beider Prinzipien, der Monarchie und der Volkssouver­ änität, mit welcher alle anderen Gegensätze zusammenhängen", in den Vordergrund rückte.80 77 LVobl. Nr. 54. 78 Siehe Wanner, S. 94ff. " Geiger, LPS 8, S. 39. ° Zitiert nach Gangl, S. 31; Boldt, Werner, S. 622. 169
        

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