Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000048731/134/
Der historische Hintergrund ermahnte Ospelt: "Machen Sie sich von dieser unkatholischen, unkirchli­ chen Anschauung los; sie ist für einen rechten Katholiken ein durchaus ungangbarer Weg! "so Der Bischof erhob auch den Anspruch, dass der Staat nirgends von Gott den Auftrag zur Erziehung der Menschen erhalten habe. Diesen Auftrag habe nur die Kirche allein erhalten. Abschliessend hielt der Bischof fest: "Der § 16 (Erziehungs- und Unterrichtswesen) ist ... so aus­ serhalb aller katholischen Anschauung, dass er ohne weiteres in einer heid­ nischen oder sozialdemokratischen Verfassung stehen könnte."81 Da die Wünsche des Bischofs nur teilweise berücksichtigt wurden, scheute er sich nicht, am 8. September 1921, als in Schaan ein Katho­ likentag abgehalten wurde, öffentlich - sehr zum Ärger der anwesenden offiziellen Gäste - kritische Äusserungen über die neue Verfassung von sich zu geben. VI. Die Unterzeichnung der Verfassung Trotz dieser steifen Bise aus Süden kam die Verfassung aber ohne weitere Unannehmlichkeiten zum Abschluss. Der Fürst sanktionierte die Verfas­ sung am 2. Oktober in Feldsberg und Prinz Karl als Bevollmächtigter des Fürsten und Josef Ospelt als Regierungschef unterzeichneten das Dokument am 5. Oktober 1921 um 11.30 Uhr im Absteigquartier in Anwesenheit des Landtagspräsidenten Friedrich Walser und der beiden Regierungsräte. Anschliessend wurden die Herren von der Durchlauch­ ten Prinzessin82 zum Essen eingeladen. Wilhelm Beck, Landtagsvizeprä­ sident, kam erst nach der Unterzeichnung, nämlich zu Beginn der Tafel, in das fürstliche Absteigquartier. VII. Abschliessende Gedanken Die Zeit am Ende und nach dem Ersten Weltkrieg war weltweit eine Phase des allgemeinen Umbruches, teilweise einer revolutionären Verän­ derung. Liechtenstein geriet als Kleinstaat in den Einflussbereich dieser Neuordnung der staatlichen und gesellschaftspolitischen Verhältnisse. Unzufriedenheit mit den innenpolitischen Zuständen hatte sich teilweise aber schon vor Ausbruch des Krieges manifestiert. c LLA SF 10/1921/141, Bischof an Landesverweser, 18. August 1921. 81 LLASF 10/1921/141, Bischof an Landesverweser, 18. August 1921. 42 Prinz Karl hatte sich am 5. April 1921 mit Elisabeth von Urach verheiratet. 137
        

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