Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1994
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000048731/109/
Rupert Quaderer Gruppierung um Wilhelm Beck zu verstehen, der Bestrebungen gegen die Monarchie vorgeworfen wurden. Die ON veröffentlichten das bür­ gerparteiliche Programm auf der Frontseite ihrer Ausgabe vom 2. März 19186 und stellten genüsslich fest, dass nun eine Partei gegründet worden sei. Die ON nannten diese Neugründung "Löwenpartei"7 und "haupt­ städtische Stammtischgesellschaft". Am 23. Februar 1918, also einen Tag nach der Veröffentlichung durch die "Löwenpartei", publizierten auch die ON eine Kandidatenliste für die Landtagswahlen. Die Beck-Gruppe betonte bei dieser Gelegenheit ausdrücklich, "christlich-sozial" ausgerichtet zu sein.8 Am 6. März wurde die Liste vom 23. Februar in den ON als "Wahlvorschlag der Volkspartei" bezeichnet. Somit war wenige Tage vor den Landtagswah- len 1918 die "Christlich-soziale Volkspartei" als begriffliche Realität der politischen Szene Liechtensteins entstanden. Ein Wahlprogramm veröf­ fentlichte die Volkspartei aber erst im Januar 1919.9 Die "Löwenpartei", durch die Aktivität der Volkspartei in Zugzwang geraten, tat den notwendig gewordenen Schritt und gründete am 22. Dezember 1918 die "Fortschrittliche Bürgerpartei". Somit gab es in Liechtenstein seit 1918 zwei politische Parteien. Beide bekannten sich zur Monarchie, beide betonten, auf der Grundlage der katholischen Weltanschauung zu stehen, und beide traten für den politi­ schen und wirtschaftlichen Fortschritt ein. Die Parteien Liechtensteins waren mit einiger zeitlicher Verzögerung ent­ standen. Erst das Zusammenwirken verschiedener Faktoren forcierte die Parteigründungen. Als wichtigste dieser Faktoren sind zu nennen: Die bei einem Teil der Bevölkerung zwar vorhandene, aber noch nicht in Erschei­ nung getretene Unzufriedenheit mit dem politischen System; das Eingrei­ fen einflussreicher und fähiger Persönlichkeiten; die Umwälzungen, die der Erste Weltkrieg weltweit hervorrief. Die Volkspartei kann als eine auf beschleunigte Veränderung bedachte Gruppierung gesehen werden. Ihre Vorstellungen von den Schwerpunkten der Veränderungen bezogen sich auf den Ausbau der Volksrechte, auf eine stärkere Beteiligung der Liechtenstei­ ner an Verwaltung und Regierung, auf eine soziale Besserstellung des "klei­ nen Mannes" und auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen. <• ON 9/2. März 1918. 7 Nach ihrem Versammlungsort Hotel "Löwen" in Vaduz benannt. 8 ON 8/23. Februar 1918. 9 ON 3/18. Januar 1919. 112
        

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