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Edouard Vuillard (1868-1940) 
  
Intérieur aux tentures roses II, 1899, Blatt 6 aus der Folge Paysages et intérieurs 
Farblithographie 
ca. 34 X 27 cm 
39,3 X 31,2 cm 
Roger-Marx 37/11 
LSK 77.06 
Edouard Vuillard gehört wie sein Freund und Mitstreiter Pierre 
Bonnard zu jenen Malern, die der Druckgraphik zu ihren male- 
rischsten Ausdrucksmöglichkeiten verholfen haben. Sie schufen 
wirkliche «gravures de peintre». Mit Bonnard verbindet Vuillard 
auch die Neigung zu dekorativen Flächen, welche die Komposi- 
tion in einen Bildteppich verwandeln und das Sujet, das eigent- 
liche «Motiv», beinahe nebensächlich erscheinen lassen. Beide 
Künstler arbeiten im Kreis der Nabis für die Revue blanche, die 
das wichtigste Publikationsorgan der jungen Malergeneration 
war. Und beide arbeiten für den aufgeschlossensten Verleger 
ihrer Zeit: Ambroise Vollard. Das Blatt der Liechtensteinischen 
Staatlichen Kunstsammlung gehört zur Suite von 12 Lithogra- 
phien und einem Titelblatt, die Vuillard mit dem Titel Paysages 
et interieurs 1899 für Ambroise Vollard ausführte und die in 
einer Auflage von 100 Exemplaren auf den Markt kam. Vuillard 
arbeitete seit 1896 an der Serie, die einen Höhepunkt in seinem 
Werk bildet. Selbst in seiner gleichzeitig entstandenen Malerei 
gibt es nichts Vergleichbares.' 
Eine Chronologie der Blátter ist nicht eindeutig festlegbar. Doch 
scheint /ntérieur aux tentures roses, das in drei Fassungen exi- 
stiert, zu den frühesten der Folge zu gehóren. Das vorliegende 
Blatt ist das zweite der Gruppe. Alle drei Blátter haben dasselbe 
Interieur zum Gegenstand, das jeweils von einem anderen Blick- 
winkel aus gezeigt wird. Immer ist es die dekorative, rotgeblüm- 
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te Tapete, welche die Komposition bestimmt. Wie oftmals bei 
Vuillard dominiert eine Farbe, hier das Lachsrot. Dominiert aber 
wird das vorliegende Blatt auch formal: Eine riesige Hàngelam- 
pe, die ein gelbes, kráftiges Licht verbreitet, zieht den Blick auf 
sich. Sie ist ein Requisit, das Vuillard mehrmals ins Bild gesetzt 
hat. Die Lampe stammte aus dem Atelier seiner Mutter? Die 
Màdchengestalt, die auf beiden anderen Blättern vorkommt, 
verschwindet in der vorliegenden Fassung hinter dem Licht der 
Lampe und einem Netz von Quadraturen. Das Interieur zeigt nur 
den oberen Teil des Zimmers. Vuillard konzentriert sich also 
ganz bewusst auf die Flächen, in die Raum und Gegenstände 
wie «hineingebügelt» scheinen. Diese Flächen leuchten wie 
bei einem Pastell. Nie zuvor ist Vuillard eine solche Subtilität 
der Farbgebung in seinen Lithographien gelungen. Studien in 
Aquarell und Pastell sind dieser Serie vorausgegangen, wie 
Roger-Marx anmerkt.? Die Strukturierung von Farbfláchen, wie 
sie dem Maler hier gelingt, wird ihre Auswirkung erst in den 
folgenden Jahren in seiner Malerei haben. In diesem Zusam- 
menhang dürfte das Gemälde La dame bleue à l'enfant von 1899 
eines der ersten sein, das von dieser dekorativen Flächen- 
wirkung profitiert hat.‘ Es ist geprägt von jener ornamentalen 
Gesamterscheinung, die in den Interieurs zum ersten Mal ein- 
deutig angesprochen wird. Das Dekorative verdeckt jetzt das 
«Naturalistische». Hier liegen die Anfänge zur «Moderne» 
greifbar vor uns. E.B. 
! Frèches-Thory, Claire; Perucchi-Petri, Ursula (Hrsg.): Die Nabis. Ausst.-Kat. 
Kunsthaus Zürich. München, 1993. 
* Ebd,, S. 470. 
* Roger-Marx, Claude: L’œuvre gravé de Vuillard. Monte Carlo, 1948, S. 106, Nr. 37. 
* Abb. in: Die Nabis. Ausst.-Kat., wie Anm. 1, S. 347. Das Bild ist im Besitz von: 
Glasgow Art Gallery and Museum. 
  
 
        

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