Gemälde 
  
Claus Grimm 
Die kleine Gruppe von Gemälden, die vor 1800 entstan- 
den sind, kam nicht als Ergebnis planmässigen Erwerbs 
zusammen, sondern durch verschiedene Zufälle. Der 
Hauptteil entstammt einer Schenkung im Jahre 1967 von 
Graf Maurice Arnold von Bendern, der die Bilder über- 
wiegend bereits vor dem Zweiten Weltkrieg im Kunst- 
handel erworben hatte. Diese bildeten einen kleinen Teil 
seiner umfassenderen und wertvolleren Sammlung, die 
leider nicht — wie ursprünglich in Aussicht gestellt — ins- 
gesamt übereignet, sondern nach dem Tod des Besitzers 
aufgelöst wurde. 
Die in die Staatliche Kunstsammlung gelangte Bilder- 
gruppe ist bisher zu wenig gewürdigt worden, da diese 
Werke als generationenlanger Privatbesitz in der Litera- 
tur kaum beachtet worden waren. Die seit einigen Jahren 
betriebene Untersuchung und die Reinigung der Gemäl- 
de brachten jedoch eine überdurchschnittliche Qualität 
vieler Werke zum Vorschein, die nachträglich den Kunst- 
verstand des Sammlers in ein neues Licht rückt. So konn- 
te das ganzfigurige Knabenbild, das in der Form des 
durch restauratorische Massnahmen zustandegekomme- 
nen Pasticcios eines «Fahnenträgers» überliefert war, als 
Fragment eines typischen und eigenhändigen Van-Dyck- 
Gemäldes aus der Genueser Zeit wiederentdeckt werden. 
Durch die Reinigung stellte sich auch die Maikönigin Jan 
Steens als hervorragend erhaltenes, so locker wie delikat 
vom Künstler selbst ausgeführtes Werk heraus. Das Attri- 
but qualitätvoller Eigenhändigkeit ist auch einer der bei- 
den kleinen Hobbema-Landschaften zu verleihen, die 
miteinander ein typisches Pendantpaar bilden. Die bei- 
den Flinck-Porträts sind Hauptwerke des Meisters, so 
wie das auch für den unidentifizierten Mitarbeiter (ver- 
mutlich einen Sohn) von Frans Hals gilt, in dessen Werk- 
gruppe der Flótespielende Jüngling den ersten Platz 
einnehmen kann. Ein Landschaftsgemálde des 19. Jahr- 
hunderts záhlt weiterhin zur Schenkung des Grafen. 
Vormals William Turner zugeschrieben, konnten jüngste 
wissenschaftliche Nachforschungen den englischen Aqua- 
rellisten und Landschaftsmaler James Baker Pyne als 
Autor des Gemáàldes sicherstellen, welches zu den 
qualitátvollsten seines (Euvres gehört. Da die Mittel 
nicht ausreichen, neben Graphik und Skulptur auch noch 
qualitätvolle alte Meister zu erwerben, blieb das Blumen- 
und Früchtebild des Franz Werner von Tamm bisher das 
einzige Gemälde innerhalb dieser Bildergruppe, das 1979 
von der Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung 
angekauft wurde. 
Im Jahre 1985 gelangte schliesslich ein zunächst El 
Greco zugeschriebenes Werk durch Schenkung in die 
Sammlung. Eine Restaurierung und umfangreiche wis- 
senschaftliche Untersuchung konnte dieses Bild des 
Christus am Ölberg im Stilvergleich nun Francesco Bas- 
sano zuordnen. 
Bald darauf erweiterte sich die kleine Gemäldegruppe 
durch ein Bildnis des Malers Franz von Lenbach von 
seiner Tochter Marion aus dem Jahre 1899. 
Durch die jüngste Donation von 1988 ist schliesslich 
der Schritt in das 20. Jahrhundert vollzogen; die beiden 
Gemälde Ernst Ludwig Kirchners setzen einen äusserst 
qualitätvollen vorläufigen Schlusspunkt. 
Die genannten Werke aus inzwischen fünf Jahrhunderten 
bilden einen interessanten Einblick in die Malerei. Sie tun 
dies auf musealem Niveau. Für ein so junges Haus wie 
die Liechtensteinische Staatliche Kunstsammlung ist die 
Eindeutigkeit und hohe Qualität ihrer Stücke aufs erste 
wichtiger als die Zahl oder gruppenmässige Geschlos- 
senheit, sind doch damit die Anknüpfungspunkte für wei- 
tere Zugänge bestimmt. : 
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