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Pablo Picasso (1881-1973) 
  
David et Bethsabée, 29. 5.1949 
Zinklithographie 
65 x 48cm 
76,2 X 56,4 cm 
Bez. u. l. im Stein: 29.5.49, (spiegelverkehrt): 7.4.49, 
u. 1.: 43/50, u. r.: Picasso 
Bloch I 442; Mourlot II 109bis; Rau 194 
LSK 73.02 
Immer wieder erstaunt Picasso seine Freunde mit den Variatio- 
nen und Transformationen nach Werken anderer grosser Künst- 
ler. Dazu gehóren beispielsweise Ingres, El Greco, Velázquez, 
Delacroix, Poussin; eine besondere Rolle spielte auch Lucas 
Cranach d. A. Uber zwanzig Jahre lang, einsetzend mit den vier- 
ziger Jahren, dauert Picassos Auseinandersetzung mit dem Spát- 
werk Cranachs an. 
Eine Rezeption (allerdings nach Lucas Cranach d. J.) ist auch die 
Lithographie David et Bethsabée nach dem gleichnamigen 
Gemälde des deutschen Renaissance-Kiinstlers.! Als Picasso 
am 30. März 1947 mit den Arbeiten für diese Graphik beginnt, 
geht er, wie Kahnweiler schreibt, von einer kleinen Abbildung 
«in einem Berliner Katalog aus, den ich ihm mitgebracht hatte. 
Das gleiche gilt von den anderen Werken nach Cranach. Sie ent- 
springen Postkarten, die ich ihm gesandt hatte. [...] Bei allen 
meinen Reisen sammle ich in Museen die Karten, von denen ich 
weiss, dass sie ihn interessieren werden. «Das ist mir lieber, 
sagte mir einmal Picasso, dch gehe nicht mehr so gerne in die 
Museen und so sehe ich die Dinge in Ruhe» 
Picasso übernimmt die archaische Komposition Cranachs ziem- 
lich genau, verdoppelt sie aber in der Grósse. Zu sehen ist jene 
alttestamentarische Szene, in der Bathseba, umringt von ihren 
Dienerinnen, im Garten ein Bad nimmt. Kónig David, in Beglei- 
tung von Hóflingen, beobachtet heimlich das intime Geschehen 
von der Terrasse seines Palastes aus. Die dargestellte Situation 
des unbemerkten Beobachtens 1st Ausgangspunkt für eine un- 
heilvolle Geschichte. Der Anblick Bathsebas entfacht in David 
ein unstillbares Verlangen nach der schónen Frau. Um die ver- 
heiratete Bathseba zu gewinnen, erteilt er ihrem Mann Uria, 
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Offizier in seinem Heer, einen für diesen tödlich endenden Auf- 
trag. David heiratet nun Bathseba. Zu spät erst erkennt David die 
Frevelhaftigkeit seiner Tat. Trotz Busse und Verzeihung stirbt 
der gemeinsame Sohn. Der zweite Sohn bleibt am Leben und 
wird König Salomon. 
Picasso beschäftigt sich annähernd zwei Jahre lang mit der Aus- 
arbeitung der Lithographie David et Bethsabee. In der ihm typi- 
schen Arbeitsweise variiert er gezielt Thema und Ausdrucks- 
móglichkeiten. Insgesamt produziert Picasso über zehn ver- 
schiedene Fassungen, die sowohl in Zustandsdrucken als auch in 
Auflagedrucken vorliegen. Nachdem die Zinkplatte über ein 
Jahr lang in Picassos Atelier ruhte, bearbeitet er sie zum sech- 
sten Mal. Durch das viele Schaben und Kratzen befindet sich 
die Platte in einem schwierigen Zustand. Picasso lässt daher am 
30. März 1948 von der Zinkplatte einen Umdruck auf Stein vor- 
nehmen. Fernand Mourlot schreibt darüber: «Ins Atelier an der 
Rue des Grands Augustins transportiert, wird die Platte auf 
einen grossen, eisernen Kochtopf gestellt; aber Picasso nähert 
sich ihr wenig: «Sie macht mir Angst, ich wage nicht, sie zu 
berühren», sagte er mir, als ich ihn danach frage.»* Dennoch 
vollzieht Picasso zwischen dem 7. April und dem 29. Mai 1949 
am Lithostein tiefgreifende Veränderungen. Mit Schaber, Feder 
und Nadel drängt Picasso die Flächenhaftigkeit des sechsten 
Zustandes zurück — zugunsten belebender Licht-Schatten-Ver- 
hältnisse. Die Figuren und Gesichter erhalten dadurch grosse 
Plastizität. Picasso dramatisiert Cranachs Vorlage auch kompo- 
sitorisch, indem er die Figur König Davids betont. Die voyeuri- 
stische Handlung wird in dieser letzten Fassung besonders 
deutlich hervorgehoben. Entstanden ist nicht nur die schönste 
Version der vielen Zustände von David et Bethsabee, sondern 
darüber hinaus eine der bedeutendsten Lithographien Picassos. 
S.A. 
! David und Bathseba. Das Originalgemälde misst nur 34 X 24 cm. Es befindet 
sich in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. 
? Kahnweiler, Daniel-Henry, in: Cranach und Picasso. Ausst.-Kat. Kunsthalle 
Nürnberg, 1968, o. S. 
* Mourlot, Fernand: Picasso Lithographe. 4 Bde. Monte Carlo 1949-1964, Bd. II, 
S. 61. 
  
 
        

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