Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/96/
Hans Geser 1. Von der Anzahl der Ämter und übrigen Rollen, die besetzt werden müs­ sen. 2. Von der Anzahl Personen, die auf Grund der qualifikatorischen Anfor­ derungen dieser Rollen einerseits, sowie der im Schichtungssystem vor­ herrschenden Mobilitätskriterien andererseits, für die Besetzung in Frage kommen. Alle empirischen Befunde sprechen dafür, dass in Kleinstaaten für die Rekrutierung elitärer Rollen ein knapperes Personalangebot besteht: 1. Die Zahl zu besetzender Rollen ist im Vergleich zu Grossstaaten nicht im selben Masse kleiner, wie dies dem Unterschied der Bevölkerungsgrösse entspricht, weil der gewaltenteilige (und ganz besonders natürlich: der föderalistische) Rechtsstaat die Aufrechterhaltung eines komplexen Apparats von Behörden, Gerichten, Kommissionen und anderen Insti­ tutionen erfordert. 2. Die im Schichtungssystem verankerten Mobilitätsregeln und Zu­ lassungsschranken sind im allgemeinen derart rigide institutionalisiert, dass sie selbst unter sehr prekären Bedingungen kaum gelockert werden. Zum Beispiel gibt es sowohl auf staatlicher wie auf kantonaler oder kommunaler Ebene keine Hinweise dafür, dass es bei einer kleinen Bevölkerungsbasis üblicher wäre, Arbeiter, Frauen, Jugendliche oder Rentner in wichtige öffentliche Amter zu hieven. Uberall sind es fast ausschliesslich Männer mittleren Alters aus gehobeneren Berufs- und Bildungsschichten, die für vollamtliche öffentliche Positionen in Betracht gezogen oder innerhalb des Milizsystems dazu genötigt werden, zusätz­ lich zum Hauptberuf verschiedenste Nebenämter zu übernehmen (Geser 1989). Umso dringender entsteht dann das Bedürfnis, wenigstens alle qualifizierte­ ren Repräsentanten dieser eng begrenzten Bevölkerungskategorie ins Rekrutierungsfeld für öffentliche Ämter einzuschliessen. Wenn ein Individuum z. B. im Rahmen seiner Vereins-, Partei-, Ver­ bands- oder Unternehmenstätigkeit zeigt, dass es über besondere Fähigkei­ ten zur öffentlichen Selbstdarstellung, zur Leitung von Sitzungen, zur Schlichtung und Vermittlung bei Konflikten oder zur Generierung zukunftsweisender Ideen und zur tatkräftigen Realisierung wichtiger Vor­ lagen und Projekte verfügt, so entsteht auf Grund des 
knappen Angebots an derartigen Qualifikationen alsbald das Bedürfnis, derartige Personen auch in 102
        

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