Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/85/
Zusammenfassung der Diskussion In mehreren Beiträgen wurde die Frage erörtert, wie sich ein EG-Beitritt auf die Identität der Schweiz auswirken würde. Ausserdem wurden die Befunde zum schweizerischen Konkordanzsystem, insbesondere die Immobilismus-These, ergänzt und nuanciert. Urs Altermatt äusserte die Befürchtung, dass die Beteiligung der Schweiz an der europäischen Integra­ tion aufgrund der Mehrsprachigkeit des Landes zu einer verstärkten Orien­ tierung auf die jeweiligen Nachbarländer führen und damit ein «Auseinan­ derrücken der Sprachgruppen» zur Folge haben könnte. Eine derartige Tendenz lasse sich schon jetzt an der Programmwahl der Fernsehzu­ schauer erkennen. Bei der Vorbereitung der 700-Jahr-Feier habe es sich als sehr schwierig erwiesen, die Frage nach der Identität des Schweizers zu beantworten. Die Distanz zwischen den Alltagskulturen der verschiedenen Sprachgemeinschaften stelle den Intellektuellen die Aufgabe, einen nationa­ len Uberbau schaffen zu müssen. Auch Alois Riklin verwies auf die relativ schwache Kommunikation zwischen Deutschschweiz und Romandie. Der Hoffnung Linders, der von der EG ausgehende Zwang von aussen könne genutzt werden, um Konkordanzmechanismen zugunsten von Mehrheits­ entscheidungen zurückzudrängen und mehr Partizipation im internationa­ len Bereich gegen weniger Integration im innerschweizerischen einzutau­ schen, hielt er entgegen, dass die meisten Ausländer die Schweiz - wie die Schweizer selbst - als sehr immobil ansähen, während die drei Referenten erwarteten, dass alles in Bewegung kommen werde. Die Annahme einer Beständigkeit schweizerischer Traditionen lag auch den Anfragen von Volker Press und Michael Kreile zugrunde. Press bezweifelte, dass die europäische Integration den Sprachnationalismus för­ dern werde, und stellte die Frage, ob die auf die direkte Demokratie bezo­ gene politische Kultur nicht auch den Zusammenhalt der Schweiz in einem integrierten Europa sichern würde. Wo seien denn die politischen Kräfte in der Schweiz, die nicht nur eine Abkehr von der Neutralität, sondern auch einen gewissen Demokratieverzicht als Preis für den EG-Beitritt durchset­ zen könnten, fragte Kreile. Ferner machte er geltend, dass die Partizipation der Schweiz an einer erweiterten EG in ihren Wirkungschancen recht be­ grenzt sei. Wolf Linder hielt dagegen, es stehe nirgends geschrieben, dass die Partizipation der Bürger im schweizerischen System optimiert sei. Der Abbau formaler Beteiligungsmöglichkeiten sei nicht notwendigerweise mit dem Abbau von Demokratie gleichzusetzen. Kurt Rothschild meinte, dass 90
        

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