Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/8/
Einleitung den Ansatzpunkt zur Kritik und zur Entwicklung einer Theorie der Kon­ kordanzdemokratie als einer ebenfalls stabilen demokratischen politischen Ordnung.2 Die Theorie der Konkordanzdemokratie entstand in den späten sech­ ziger Jahren und hat zwei geistige Väter, Gerbard Lehmbruch und Arend Lijphart, die unabhängig voneinander empirisch belegten und theoretisch begründeten, dass auch in Gesellschaften mit einer fragmentierten politi­ schen Kultur eine stabile demokratische Ordnung möglich sei, wenn auf das reine Mehrheitsprinzip verzichtet werde zugunsten von Strategien, die die verschiedenen Segmente der Gesellschaft einbänden; die Kompromisstech­ niken wurden als Instrument zur Befriedung einer in sich gespaltenen Gesellschaft interpretiert.3 Lehmbruch stützte sich bei seiner Analyse auf die Länder Österreich Schweiz; Lijpharts Schlussfolgerungen beruhten auf seiner Untersuchung der Niederlande.4 Aus dem schweizerischen Sprachgebrauch stammt auch die Bezeichnung «Konkordanzdemokratie», die damit zur sozialwissenschaftlichen Kategorie aufstieg.5 In den siebziger Jahren trat die Konkordanzdemokratie zunächst neben dem neu entdeckten oder sich entwickelnden Korporatismus (auch als Neo- korporatismus oder liberaler Korporatismus bezeichnet)6 in den Hinter-' grund, aber im weiteren Verlauf der wissenschaftlichen Diskussion wurde der Zusammenhang zwischen Konkordanzdemokratie und Korporatis­ mus stärker berücksichtigt. Der Sachverhalt, dass in allen europäischen Ländern, in denen konkordanzdemokratische Entscheidungsmechanis­ men vorherrschten, auch neokorporatistische Strukturen von Bedeutung waren, verlangte nach einer Erklärung des zeitlichen und kausalen Zusam­ 2 Ebd., 312. 3 Zu den Unterschieden zwischen Lehmbruch und Lijphart vgl. den Beitrag von Lehm­ bruch in diesem Band; zum wissenschaftlichen Anspruch der Theorie vgl. ders., a. a. O., 312. 4 Vgl. Gerhard Lehmbruch, Proporzdemokratie. Politisches System und politische Kultur in der Schweiz und in Osterreich, Tübingen 1967; Arend Lijphart, The Politics of Acco- modation. Pluralism.and Democracy in the Netherlands, Berkeley/Los Angeles 1968. 5 Lehmbruch ersetzte den zunächst von ihm gebrauchten Begriff Proporzdemokratie durch den Terminus Konkordanzdemokratie, der im deutschen Sprachgebrauch ange­ nommen wurde; in der englischen Sprache hat sich die von Lijphart eingeführte Bezeich­ nung consociational democracy durchgesetzt. 6 Im Korporatismus werden Verbände «verbindlich und regelmässig an der Formulierung wie auch an der Ausführung von Entscheidungen beteiligt, gewissermassen in die Politik­ entwicklung «inkorporiert».» (Roland Czada, Korporatismus/Neo-Korporatismus, in: Dieter Nehlen (Hrsg.), Wörterbuch Staat und Politik, München/Zürich 1991, (322-326) 322.) 8
        

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