Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/53/
Alois Guger 15 %, 1971 auf 20 % und 1987 auf 25 %. Die Verdienste in der Bekleidungs­ industrie, die 197125 % unter dem Industriedurchschnitt lagen, fielen inzwi­ schen auf 45 % zurück.8 Diese zunehmende Differenzierung der Löhne hat natürlich den Prozess der strukturellen Erneuerung der Wirtschaft verzögert. Arbeit und Kapital bleiben durch hohe Lohnunterschiede unnötig lange in Branchen und Betrieben mit niedriger Produktivität gebunden. Generell stellt sich die Frage nach der Definition von Vollbeschäftigung, wenn ein guter Teil der Beschäftigten nur zu niedrigen Löhnen beschäftigt werden kann. Die schwedischen Gewerkschaften haben daher gezielt eine Politik des «equal pay for equal work» verfolgt und von der Mitte der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre die branchenmässigen Lohndifferentiale etwa halbiert. Ganz bewusst wurden damit strukturpolitische Ziele verfolgt, um Branchen und Betriebe, deren Produktivität zu stark abfiel, vom Markt zu verdrängen. Diese Politik wurde durch eine entsprechend ausgebaute aktive Arbeitsmärktpolitik (Umschulungen und Mobilitätsförderungen) wesentlich unterstützt. Schweden kann heute auf eine günstige Wirt­ schaftsstruktur, niedrige Subventionszahlungen und Vollbeschäftigung verweisen. In der österreichischen Argumentation der siebziger Jahre sollte die Hartwährungspolitik durch die verstärkte Auslandskonkurrenz auch Druck zur strukturellen Erneuerung ausüben. Die Lohnpolitik dürfte sich allerdings so stark an den Problembranchen orientiert haben, dass sich über die innerbetriebliche Lohndrift in den profitableren Bereichen die Verdien­ ste stark auseinander entwickeln konnten. Dieser Prozess hat sicher in den Jahren hoher Beschäftigung die strukturelle Erneuerung gebremst und die Situation der achtziger Jahre verschärft. Diese Entwicklung zeigt einerseits, dass die österreichische Lohnpolitik sehr stark gesamtwirtschaftlich orientiert ist und verteilungspolitische und allokative Aspekte weniger Beachtung finden; anderseits stellt sich auch die Frage, ob nicht die Machtposition des ÖGB gegenüber den Branchenge­ werkschaften generell überschätzt wird? So blieb etwa die Lohnpolitik in der jüngsten Vergangenheit weiterhin von den Möglichkeiten der mächti­ gen Metallarbeiter, die durch die Stahl- bzw. Verstaatlichtenkrise begrenzt waren, bestimmt, obwohl in der Privatwirtschaft und in ausgesprochenen Niedriglohnbranchen zum Teil gut verdient wurde. Auch die Durch­ 8 Guger (1989). 56
        

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