Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/52/
Diskussionsbeitrag Die österreichische Sozialpartnerschaft: Kritik und Probleme Die Politik der österreichischen Sozialpartner ist rein makroökonomisch orientiert. Ihren gesamtwirtschaftlichen Zielen entsprechend war sie erfolg­ reich. Sie hat aber Verteilungs- und Allokationsfragen, bzw. Strukturpro­ bleme, grob vernachlässigt. Anton Pelinka nannte eine Reihe von Gründen für den zunehmenden Bedeutungsverlust der Sozialpartnerschaft; langfristig wird ihre «sustaina- bility» auch durch die Vernachlässigung dieser Probleme untergraben. 1. Es hat sich ein grosser geschützter Bereich mit gewaltigen Ineffizien- zen, die in überhöhten Preisen zum Ausdruck kommen, herausgebildet. Als Beispiel seien hier nur der Nahrungsmittelsektor und der Handel her­ ausgegriffen: Die österreichische Nahrungsmittelindustrie zahlt 7 % höhere Löhne als die bundesdeutsche; obwohl im Industriedurchschnitt in Osterreich die Löhne ein Viertel unter dem deutschen Niveau liegen. Davon werden aber die Gewinne nicht in Mitleidenschaft gezogen: Die Bruttogewinnquote ist nämlich auch um 30 % höher als in der deutschen Nahrungsmittelindu­ strie.6 Die Folge sind etwa 16% höhere Lebensmittelpreise als im EG- Durchschnitt und höhere Subventionen. Auch die Handelsspannen sind in Österreich deutlich höher als in der BRD; allein aus diesem Grund wäre im Rahmen einer Teilnahme am Bin­ nenmarkt mit Preisreduktionen von 9 % zu rechnen.7 2. Österreich zählt heute zu den Ländern mit den höchsten Lohnunter­ schieden in Europa. Die solidarische Lohnpolitik der Gewerkschaften beschränkt sich auf relativ einheitliche Anhebungssätze in den Lohnab­ schlüssen. Die Lohnunterschiede zwischen den Branchen und Sektoren sind aber in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen: Die mittlere Abwei­ chung der Branchenlöhne vom Industriedurchschnitt belief sich 1961 auf 6 Diese Daten beziehen sich auf die Industrie: Guger (1988). Claudia Pichl hat in einer noch in Arbeit befindlichen Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung über die Nahrungs­ mittelindustrie auch das Grossgewerbe einbezogen: Dann liegt der Nettoprodukrions- wert je Beschäftigten in der österreichi schen Nahrungsmittelwirtschaft auf dem deutschen Niveau und der Personalaufwand um 10% darunter; es wird aber weiterhin eine Brut­ togewinnquote ausgewiesen, die 25 % höher ist als in der Nahrungsmittelindustrie der BRD. 7 Guger-Pollan-Wüger (1989). 55
        

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