Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/50/
Diskussionsbeitrag Die Ökonomen, die - wie Keynes und Kalecki - in die Marktkräfte zur Sicherung der Vollbeschäftigung wenig Vertrauen hatten und daher für eine aktive Politik der Beschäftigungssicherung eintraten, haben schon sehr früh die Bedeutung der «industriellen Beziehungen» für die gesamtwirt­ schaftliche Entwicklung erkannt. Kalecki betonte 1943: «Der Vollbeschäßigiingskapitalismus... wird neue soziale und politische Institutionen entwickeln müssen, die die gestiegene Macht der Arbeiterklasse widerspiegeln...»' sonst würde die Lohn-Preis-Spirale chronisch werden.2 Die Notwendigkeit einer Einkommenspolitik zur Erhaltung von Stabili­ tät bei hohem Beschäftigungsniveau wurde also bereits zur Zeit der Formu­ lierung der Beschäftigungspolitik - insbesondere für Volkswirtschaften mit einer starken Gewerkschafts- oder Arbeiterbewegung - klar gesehen. Die institutionellen Voraussetzungen einer erfolgreichen Einkommenspolitik Die relativ günstige Bewältigung der schwierigen Stagflationsperiode der siebziger Jahre durch Österreich und die skandinavischen Staaten weckte das Interesse an den institutionellen Voraussetzungen der Einkommens­ politik in diesen Ländern. Selbst Ökonomen, die ihr Vertrauen sonst eher ins ungehinderte Wirken der Marktkräfte setzen, haben auf die Neokorpo- ratismus-Debatte der politischen Wissenschaften zurückgegriffen.3 Auch sie sehen heute - vor allem in Ländern mit einer starken Arbeiterbewegung - in zentral organisierten Gewerkschaften und Unternehmervertretungen mit umfassender Repräsentanz und möglichst zentralisierten Lohnver­ handlungen auf nationaler Ebene die günstigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Makropolitik. Sobald ein Verband, z. B. eine Gewerkschaft, nicht mehr nur die Interes­ sen eines Betriebes oder einer Branche, sondern einen grossen Teil oder die gesamte Arbeitnehmerschaft vertritt, verhandelt er nicht mehr nur über einen relativen Preis, sondern muss seinen gesamtwirtschaftlichen Einfluss - im Fall der Lohnverhandlungen - auf das gesamte Preisniveau berück­ sichtigen. 1 Kalecki (1943). 2 Robinson (1937, 1943). 3 Bruno-Sachs (1985), Calmfors-Driffill (1988). 53
        

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