Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/44/
Diskussionsbeitrag der Konkurrenz. Eine dritte Funktion ist die Unterstützung des Staates, der sonst bestimmte Aufgaben nicht so gut oder nicht so leicht erfüllen kann, und eine vierte Funktion verlangt, wirtschaftliche Stabilität und Wachstum zu sichern - eben im Rahmen der eigentlichen Zusammenarbeit der Sozial­ parmer. Wie schaut es nun mit der öffentlichen Einschätzung der Aufgabenerfül­ lung aus? Was die Vertretung der Mitgliederinteressen betrifft, wird zuneh­ mend daran Kritik geübt: Es gebe eine Art Nomenklatura im Rahmen der Sozialpartnerschaft, eine Schicht von Funktionären, die sich in den Mono­ polbetrieben hohe Gehälter zugeschanzt lütten, die Prachtbauten errichtet hätten, die so teuer seien, dass dafür die Erholungsheime der Mitglieder geschlossen werden müssten. Diese Unzufriedenheit führt meiner Mei­ nung nach dazu, dass es geradezu zu einem gefühlsmässigen Exodus aus den Kammern kommt. Bei der letzten Arbeiterkammerwahl haben bei­ spielsweise in Wien nurmehr knapp ein Drittel der Wähler ihre Stimme ab­ gegeben - eine Misstrauenserklärung, der die Repräsentanten dieser Ein­ richtung geradezu fassungslos gegenüberstehen. In der Handelskammer Salzburg hat man eine Umfrage durchgeführt und stolz mitgeteilt, dass die Mehrheit der Mitglieder für die Pflichtmitgliedschaft sei, aber dabei unter­ schlagen, dass in dieser Befragung nur ein kleiner Teil geantwortet hat und sich insgesamt nur 10% der Mitglieder für die Pflichtmitgliedschaft ausge­ sprochen haben - also ein verschwindend kleiner Prozentsatz; trotzdem wurde das als Erfolg dargestellt. Also, die Mitglieder laufen den Kammern davon, soweit dies bei einer gesetzlich vorgeschriebenen Mitgliedschaft möglich ist. Das gilt auch für andere österreichische Institutionen, die tradi­ tionell als Repräsentanten der Autorität angesehen wurden, für den Gewerkschaftsbund, wo es schon erwähnt wurde, bis zur katholischen Kirche und zu den politischen Parteien. Wie schaut es mit dem Schutz der Öffentlichkeit aus, mit der Rolle der Sozialpartner als Garanten dafür, dass die Konsumenten vernünftige Bedingungen am Markt vorfinden? Auf der einen Seite werden die Rege­ lungen zunehmend als paternalistische Bevormundung interpretiert. Die Österreicher wollen sich die Ladenschlusszeiten nicht vorschreiben lassen. Sie wollen sich weder vorschreiben lassen, wie gekrümmt Gurken sein dür­ fen, damit sie noch am Markt verkauft werden dürfen, noch wollen sie sich von den Autoritäten sagen lassen, welche Grösse die Servietten in den Gast­ höfen haben müssen. Man hat das Gefühl, dass es darum nicht mehr geht, und immer häufiger beruft man sich darauf, dass eigentlich nur der einzelne 47
        

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