Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/160/
Diskussionsbeitrag Nicolaus Ruther (Freie Liste) 1. Welchen gesellschaftspolitischen Standort nimmt die FREIE LISTE ein? Die FREIE LISTE (FL) ist eine noch sehr junge Partei; 1985 als Verein gegründet, ist sie mit dem Ziel angetreten, die verkrustete Quasi-Einpar- teienlandschaft Liechtensteins von innen her aufzubrechen. Als zartes oppositionelles Pflänzchen zur mittlerweile schon 50 Jahre währenden Monokultur einer rot-schwarzen «Exklusivregierung» ist die FL nicht grün-trotzig im Windschutz einer sich aufsplitternden Sozialde­ mokratie gediehen, sondern ist vielmehr eine aus der Not geborene Samm­ lungsbewegung unterschiedlicher Strömungen. Sie hat weder Vorläuferparteien und -bewegungen vorzuweisen, noch kann sie sonstige historische Anknüpfungspunkte für sich reklamieren. Die der FL zugeordnete Farbe «weiss» verdeutlicht den fehlenden Traditions­ bezug. Nach eigener Einschätzung vertritt die FL insbesondere eine «Ampel­ koalition» von Wählerinnen links von der Mitte; die ideellen Leitbilder in ihrem Wähler- und Meinungsspektrum reichen von liberal bis zu grün­ alternativ und sozialistisch. Nicht Dogmatismus kennzeichnet die Politik der Partei, sondern - gerade, was den soziologisch homogenen «Kern» der FL anlangt - rationale Grundhaltungen und Weltanschauungen mit einem gewissen moralistischen Einschlag. Wie kann diese FL-(«weisse») Weltanschauung näher umschrieben werden? Nun, die FL versteht sich als Partei des sozialen Ausgleichs, des ökologi­ schen Bewusstseins und «neuen Denkens». In ihr konzentriert sich poli­ tisch eine Art 
Gegenkultur zu einem muffig-selbstherrlichen Konservatis­ mus. Indes gibt es bei ihr neben ihrer progressistischen Stossrichtung durchaus auch deutliche konservative Politikansätze. Progressive Denkmuster drücken sich vor allem darin aus, dass die FL nicht müde wird, gesellschaftliche Diskriminierungen jeglicher Art anzu­ prangern und damit den auch in Liechtenstein fühlbaren Wandel der Gesellschaft zu mehr Demokratie- und Autonomieempfinden zu beschleu­ nigen. (So gesehen ist im nachhinein die Einführung des Frauenstimmrech­ tes im Jahre 1984 nicht etwa als Quantensprung der Menschenrechts­ entwicklung, sondern nur als selbstverständlicher, schliesslich viel zu spät zustandegekommener Demokratisierungsschritt zu bewerten.) Konservativ und wertbewahrend im besten Sinne des Wortes ist die FL 167
        

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