Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/152/
Diskussionsbeitrag faktisch zunehmen, während gleichzeitig der Einfluss des Volkes verlieren würde. Nehmen wir weiter an, die Regierung des Fürstentums Liechtenstein würde nur von einer hauchdünnen politischen Mehrheit im Landtag gestützt, so wäre ihre Position gegenüber dem Fürsten doch sehr geschwächt. Mit anderen Worten: Je eher das Volk einig und geschlossen ist, umso eher kann es seine Vorstellungen durchsetzen. Hinzu kommt, dass unsere Bevölkerung ausgesprochen homogen ist: Wir haben nur geringe religiöse, soziale, ideologische oder andere grundle­ gende Unterschiede. Unser Land darf daher wohl als guter Boden für eine Konkordanzpolitik angesehen werden. Als Pluspunkt unserer Konkordanzpolitik möchte ich auch den hohen Grad der Kontinuität und der Stabilität erwähnen. Mit unserem System wäre es äusserst ungewöhnlich, dass eine komplette Regierungsmannschaft von einem Tag auf den anderen aus der Regierungsverantwortung aus­ treten würde. Dank der Koalition wird praktisch immer ein Teil der Regie­ rungsmannschaft für Stabilität und Kontinuität sorgen. Hinzu kommt, dass dank dieses Systems der Verschleiss an qualifizierten Personen eingegrenzt wird. Von gesetzlicher Seite kennen wir keine Mandatsdauerbeschränkung. Die Parteien hingegen haben sich selbst allerdings Mandatsdauer­ beschränkungen für die nicht-vollamtlichen Regierungsmitglieder auf­ erlegt. Bei besonderen Situationen wurden diese Mandatsdauerbe­ schränkungen durch Beschlüsse der obersten Parteigremien ausgedehnt. Als Beispiele für langjährige Kontinuität können die Regierungschefs Alexander Frick und Hans Brunhart erwähnt werden, wobei letzterer bereits seit 1978 im Amte ist Dieser geringe Personenverschleiss ist gerade in einem kleinen Land wie Liechtenstein von grosser Bedeutung, vor alem weil sich bei uns qualifizierte Personen höchst selten für politische Aufgaben engagieren. Ein heikles Problem der Konkordanzpolitik ist sicher die parteipolitische Ausrichtung, obwohl ich diese Problematik nicht so negativ wie Frau Prof. Michalsky sehe. Ich glaube, dass in unseren kleinen Verhältnissen die Meinungen und die Personen sehr bekannt sind. Und es scheint mir in diesem Zusammenhang sehr wichtig zu sein, dass die Parteien mit ihren Meinungen und ihren Personen ein Höchstmass an Glaubwürdigkeit anstreben, vor allem deshalb, weil die Glaubwürdigkeit gegenüber dem Wähler ein entscheidendes Kriterium für seine Wahl ist. 159
        

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