Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/105/
Kleine Sozialsysteme Vor allem muss jede Erhöhung in der Flexibilität der Machtzuteilung mir einer Verringerung ihrer 
öffentlichen Transparenz erkauft werden. Denn aus der schieren personellen Zusammensetzung von Konkordanzgremien kann man niemals hinreichend klar ersehen, wie sich der Gesamteinfluss auf die verschiedenen Einzelteilnehmer (bzw. die repräsentierten Gruppie­ rungen) tatsächlich verteilt. Und um es 
genauer zu wissen, wären äusserst anspruchsvolle sozialwis­ senschaftliche Analysen erforderlich, die sich wegen der Informalität und Situationsbedingtheit dieser Verhältnisse einerseits und dem grossen «Abschirmungsbedürfiiis» dieser Gremien andererseits als kaum durch­ fuhrbar erweisen. In Staaten mit Konkordanzregierungen und korporatistischen Struktu­ ren muss die Bürgerschaft also darauf verzichten, die Verteilung der politi­ schen Macht genau zu kennen und auf die Art dieser Verteilung mittels for­ meller Verfahren (Wahlen, Gesetzgebung) kontrollierten Einfluss zu neh­ men. Unzufriedenheiten darüber können sich dann nur in Form einer diffus empfundenen «Malaise», nicht in der strukturierten Form eines 
anvisierten Regierungswechsels, äussern, so dass umso mehr das Bedürfnis auftritt, Beschlüsse dieser Gremien wenigstens 
fallweise durch plebiszitäre Interven­ tion zu korrigieren. In der Schweiz erfüllen die direkten demokratischen Referendums- und Initiativrechte die Funktion, die mangelhafte demokra­ tische Kontrolle über 
Machtverhältnisse durch umso höhere demokratische Kontrolle über 
Sachentscheidungen zu substituieren. 2.3 Prävention von Konflikten Eine 
dritte, insbesondere in der 
Gemeindesoziologie häufig benutzte Argu­ mentationslinie kreist um die auf 
Georg Simmel zurückgehende Vorstel­ lung, dass 
Konflikte in kleinen Kollektiven besonders bedrohlich seien und dass Konkordanzstrukturen eben die Funktion hätten, grössere Konflikte zu verhindern oder mindestens die 
Schwelle des Konfliktausbruchs höher zu legen (Coser 1956; Black 1974). Ganz allgemein findet man überall in der sozialen Welt viele Illustrations­ beispiele dafür, dass 
kleinere Kollektive auf 
Mechanismen der Konfliktprä­ vention sehr grossen Wert legen, während 
Mechanismen der Konfliktaustra­ gung häufig unentwickelt bleiben. Umgekehrt pflegen sich grössere Kollek­ tive häufig ohne grosse Vorsichtsmassnahmen darauf einzustellen, dass 111
        

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