Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/103/
Kleine Sozialsysteme den Problemen eigentlich gar nicht um 
politische, im Kräftefeld verschie­ dener Werte und Interessen zu entscheidende Fragen handle, sondern um reine «Sachprobleme», für die es nur eine einzige, über alle Parteien­ grenzen hinweg von allen vernünftigen Bürgern einsehbare Lösung gebe. Ein ähnlicher Grund ist dafür massgebend, dass man auf 
kommunaler Ebene in den meisten Ländern breit abgestützte Konkordanzbehörden findet (vgl. z. B. Holler 1981). Je geringer die Gemeindeautonomie, desto mehr herrscht nämlich die Ansicht vor, dass es einerseits zu wenig politi­ sierte Entscheidungsfragen gibt, die die Kultivierung von Parteienstreit rechtfertigen würden, und andererseits aber sehr häufig Situationen gemeinsamer Betroffenheit (z. B. durch staatliche Subventionskürzungen oder Steuererhöhungen), die zu einer parteiübergreifenden Solidarisie­ rung Anlass geben. 2) Wenn man sich in reaktiver Weise auf eine unkontrollierbare, sich un­ vorhersehbar verändernde Umwelt einstellen muss, fehlt die Möglich­ keit, das politische Händeln langfristig an ganz bestimmte ideologisch bestimmte Zielsetzungen, Planungen und Programme zu binden, so dass man auch keinen Vorteil mehr darin sieht, die Regierungsarbeit einer gesinnungsmässig homogenen, auf klare Zielsetzungen hin verpflichte­ ten Gruppierung anzuvertrauen. Allerseits ist man disponiert, ideali­ stische Prinzipientreue zugunsten von pragmatischer Realpolitik in den Hinteigrund zu schieben (Katzenstein 1985: 62). 3) Insofern Konkordanzregierungen in Politik und Regierung ein konflikt­ freies Klima erzeugen, hat dies die günstige Folge, dass die Elitenmit­ glieder weniger durch systeminterne Probleme absorbiert sind und sich deshalb ungehinderter der konstruktiven Lösung der exogenen Pro­ bleme zuwenden können. Im Parlament bleibt mehr Zeit für die Bera­ tung differenzierter Zoll- und Subventionsbestimmungen, wenn nicht der Schlagabtausch mit Oppositionsparteien den grössten Teil der Sit­ zungszeit absorbiert. Und die Manager der Privatwirtschaft können sich ungestörter den dringlichen Fragen der Marktexpansion, Produktent­ wicklung und Unternehmensreorganisation zuwenden, wenn es mit den Gewerkschaften wenig Streitigkeiten gibt, weil diese innerhalb des koiporatistischen Verbändesystems genügend Möglichkeiten sehen, ihre Interessen auf 
politischer Ebene zur Geltung zu bringen. 4) Schliesslich sind konkordante und korporatistische Entscheidungsstruk­ turen bei hoher Umweltabhängigkeit deshalb funktional, weil das 109
        

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