Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/101/
Kleine Sozialsysteme der 
Selektivität. Die systeminternen Verhältnisse müssen derart gestaltet werden, dass es möglich wird, klare, konsistente Entscheidungen darüber zu treffen, welche Ziele, Strategien und Politiken verfolgt werden sollen, und dass es gelingt, solch autonom festgelegte Aktionsprogramme konse­ quent zu implementieren. Dies gelingt natürlich besser, wenn die ganze Regierungsgewalt einer einheitlichen, in sich kohäsiven politischen Partei oder Elitegruppierung überlassen wird, die bereits mit klaren programmatischen Absichten ihr Amt antritt und ihre Pläne auch konsequent verwirklichen kann, weil sie nicht bei jeder Einzelentscheidung gezwungen wird, nach allen Seiten hin Kompromisse zu schliessen. Alle umfassenden gesellschaftlichen Reformprogramme - vo n der «Rea- ganomics» und dem «Thatcherismus» bis zur «Perestroika» - basieren auf der Voraussetzung, dass die Regierung sowohl innen- wie aussenpolitisch stabil gesicherte Gestaltungsräume vorfindet, weil sie nicht damit rechnen muss, sündig auf Unvorhergesehenes zu 
realeren. Nur in besonderen Krisensituationen wird die Umwelt auch von 
Gross­ staaten als Quelle unkalkulierbarer Bedrohung und als Zwang zu dauern­ der 
autoplastischer Anpassung erlebt, vor allem in 
Zeiten des Kriegs, wo dann typischerweise auch oft von Mehrheitsregierungen zu politisch und gesell­ schaftlich breiter abgestützten 
Allparteienregierungen übergewechselt wird. Im Vergleich dazu ist es bei einem Kleinstaat viel wahrscheinlicher, dass er seine Umwelt 
andauernd als Quelle unberechenbarer und unkontrollier­ barer Ereignisse erlebt und dass er deshalb seine intrasystemischen Verhält­ nisse prinzipiell so gestaltet, dass die Fähigkeit erhalten bleibt, andauernd flexible autoplastische Wandlungen zu vollziehen. In seiner empirisch gut fundierten und theoretisch klar durchdachten Studie 
«Small States and World Markets» hat 
Peter J. Katzenstein vor ein paar Jahren überzeugend dargelegt, warum hochentwickelte westeuropäische Kleinstaaten im Interesse ihrer ökonomischen Uberlebens- und Wachs­ tumschancen (also wiederum aus 
funktionalen, nicht kausalen Gründen) dazu gelangen, 
inklusiven Regierungssystemen, an denen alle wesentlichen gesellschaftlichen Gruppierungen beteiligt sind, den Vorzug zu geben. Katzensteins Ausgangspunkt bildet die unbestreitbare Tatsache, dass Kleinstaaten ihrem internationalen Umfeld mit wenig Autonomie (und des­ halb relativ verwundbar) gegenüberstehen. Zum Beispiel gilt, dass die Vielfalt der in einem Kleinstaat 
konsumierten Güter fast ebenso gross, aber die Palette der von der eigenen Wirtschaft 107
        

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