Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000046681/100/
Hans Geser Warum etwa wird ausgerechnet in einem Staat mit einem derart be­ grenzten personellen Rekrutierungsfeld eine hyperdifferenzierte institutio­ nelle Struktur mit über 5000 Lokalparteien und einer unübersichtlichen Vielzahl traditioneller Korporationen, Teilsamen, Spezialbehörden und andern öffentlichen Funktionsträgern aufrechterhalten? Die doppelte Antwort darauf lautet: a) Selbst extrem differenzierte Rollenstrukturen bilden für die Integration des politischen Systems keine grosse Gefahr, wenn die meisten der damit einhergehenden Kommunikations- und Koordinationsprobleme von rollenkumulierenden Individuen 
intrapersonell bewältigt werden. b) Genau durch derartige Hyperdifferenzierungen wird erreicht, dass Rol­ lenkumulation zum 
erwartbaren Regelfallbei allen politisch aktiven Indi­ viduen wird, so dass die Voraussetzungen erfüllt sind, dass sich die oben­ genannten drei «Harmonisierungswirkungen» voll entfalten. Natürlich setzt die Aufrechterhaltung hoher Rollenkumulation voraus, dass die meisten öffentlichen Amter 
ehrenamtlich oder mindestens 
neben­ amtlich belassen werden. Zu den meist nicht vorausgesehenen negativen Folgen der 
Verberufli- chung von Amtern gehört es, dass alle Beteiligten stärker durch Prozesse interpersoneller Kommunikation, Koordination und Konfliktaustragung beansprucht werden und dass auch der polarisierenden Vereinseitigung von Interessenstandpunkten Vorschub geleistet werden kann. Beides kann zur Konsequenz haben, dass die mit dem Übergang zu Vollämtern einher­ gehenden Zugewinne an Leistungskapazität teilweise wieder aufgehoben werden. 2.2 
Flexiblere Adaption an eine dominante Umwelt Die zweite Argumentationslinie geht von der Prämisse aus, dass Kleinstaa­ ten ihrer internationalen Umwelt weniger autonom und machtvoll als grosse Staaten gegenüberstehen und deshalb stärker gezwungen sind, sich an Bedingungen und Entwicklungen, die sie nicht beeinflussen können, durch inneren Systemwandel (d. h. «autoplastisch» anstatt «alloplastisch») zu adaptieren (vgl. z. B. Katzenstein 1985). Bei 
grossen Staaten, denen es durch Ausübung von Macht und Einfluss gelingt, wesentliche Umweltbedingungen unter Kontrolle zu halten, stellt sich das Hauptproblem der Regierungstätigkeit vorrangig als ein Problem 106
        

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