Volltext: LGU Jahresbericht (2014)

Biber in Liechtenstein Beliebt bei den einen, misstrauisch beäugt oder gar gefürchtet von den anderen. Um die Anwesenheit der Biber in Liechtenstein werden zur Zeit kontroverse Diskussionen geführt. Erst seit 2008 ist er zurück und breitet sich seither bei uns aus. Tierische Eingriffe in Natur und Landschaft Der Biber nimmt nichts als gegeben und gestaltet seinen Lebensraum aktiv. Dabei schafft er wich- tige Voraussetzungen für viele weitere Tier- und Pflanzenarten, die sich in seinem Umfeld äusserst wohl fühlen. Quasi als Nebenprodukt seiner gestalterischen Tätigeit, entstehen Verstecke für Jungfische, Lebensräume für Amphibien, Reptilien, verschiedene Vogelarten oder Libellen. Als Förderer der heimischen Biodiversität ist er beliebt und im Naturschutz gern gesehen. Leider kann der Biber bei seinen Grabtätigkeiten nicht zwischen einem natürlichen Ufer und einem Schutzdamm unterscheiden, ebenso wenig wie ihm bewusst ist, dass über seiner Wohnhöhle ein Weg liegt, auf dem hin und wieder auch schweres Gerät unterwegs ist. Das bedeutet, dass es durch Biber immer wieder zu Schäden an Infrastrukturen in unserer intensiv genutzten Kultur- landschaft kommt. Wie soll damit umgegangen werden? Wie so häufig in solchen Fällen, bilden sich Lager von Biberbefürwortern und Bibergegnern. Sinn macht diese Polarisierung keine, denn es geht hier nicht um Gut oder Böse, sondern um einen vernünftigen Umgang mit einer für uns neuen Situation. Im 19. Jahrhundert ausgerottet Ein kleiner Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Biber ur sprünglich in ganz Europa heimisch waren, ausgenommen in Island und Irland. Bis auf die höheren Gebirgslagen kam er in weiten Tei- len sogar flächendeckend vor. Ausgerottet wurde er im 19. Jahr hundert durch den Menschen, der ihm aufgrund seines dichten Felles und seines schmackhaften Fleisches nachstellte. Sein beschuppter Schwanz animierte die katholische Kirche dazu, ihn kurzerhand zum Fisch zu erklä- ren. So konnte er auch während der Fastenzeit verspeist werden. Das Bibergeil, ein Drüsensekret, galt auf Grund seines Gehaltes an Salicylsäure als Heilmittel. In der damaligen Zeit waren dies Gründe genug, um auch dem letzten Biber den Garaus zu machen. Biber brauchen Platz und ein gutes Management Die LGU setzt sich dafür ein, dass in Liechtenstein eine gesunde und verträgliche Biberpopulation Lebensraum erhält. Im Jahr 2014 konnte für zwei Monate ein Student der Biologie als Praktikant beschäftigt werden. Er holte umfangreiche Informationen zu Bibererfahrungen im benachbarten Ausland, insbesondere der Schweiz und Deutschland ein und fasste diese in einem Bericht zusam- men. Das Berufspraktium in der LGU wurde für sein Studium angerechnet, wodurch eine erfreu- liche win-win Situation für beide Seiten entstand. Die LGU hat sich viel Wissen angeeignet rund um den Biber. Wir teilen dieses Wissen, indem wir jedes Jahr zahlreiche Exkursionen zum Thema durchführen, wie beispielsweise zur letztjährigen Jahresversammlung der LGU. Schutz und Kontrolle Beim Biber handelt es sich um eine europaweit streng geschützte Art. Durch die Berner Konven- tion geniesst das zweitgrösste Nagetier der Welt auch in Liechtenstein heute schon einen gewis- sen Schutz. Damit Kollisionen mit menschlicher Nutzung minimiert werden, braucht es auch bei uns ein gutes Biber-Management und die entsprechende Gestzesbasis. Eine dahingehende Abän- derung des Naturschutzgesetzes ist in Vorbereitung und darf im kommenden Vereinsjahr erwar- tet werden. Natur- und Artenschutzprojekte 4 Jahresbericht 2014 Biber im Speckigraben, Schaan In Rüfesammlern kommt es zu Kollisionen von Biber und Bevölkerungs- schutz Durch die grosszügige Unterstützung der Grenouille-Stiftung kann sich die LGU für drei wichtige Natur- und Artenschutzprojekte einsetzen. LGU Jahresbericht_2014_druck_LGU Jahresbericht 20.04.15 19:15 Seite 4

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