Für mich bedeutet die Schweiz sehr viel, ich habe ange- 
nehme Erinnerungen. Als Mitarbeiter des Forstamtes 
habe ich während vieler Jahre bei forstlichen Exkursionen 
in der Schweiz teilgenommen und war immer überrascht 
von der Gastfreundschaft. Schon bei der Begrüssung hiess 
es: «Aha, ein Liechtensteiner ist hier.» Im Verlaufe des Tages wollte 
jeder mit mir ein paar Worte wechseln. «Wie geht es in Liechtenstein? 
Was macht der Fürst?» Ihnen das Verhältnis zwischen Fürst und Volk 
zu erklären, war fast unmöglich. Sie stellten sich vor, der Fürst wäre 
jeden Morgen um halb acht im «Grossen Haus» (Regierungsgebäude) 
unten, um jedem Beamten die Arbeit anzuweisen. 
Es hat bei uns immer wieder Diskussionen gegeben, in denen gefor- 
dert wurde, aus dem «Rucksack der Schweiz» auszusteigen. Da bin ich 
ganz anderer Ansicht. Was unsere Selbständigkeit angelt, so könnten wir 
schauen, wo wir hinkämen, wenn wir die fünf Rheinbrücken schliessen 
müssten. Die Schweiz lebt auch ohne uns, aber wir nicht ohne sie. 
Ich habe das Gefühl, dass die Schweiz früher immer grosse Politiker 
hatte, denn sonst hätte sie sich nicht aus dem Ersten und besonders aus 
dem Zweiten Weltkrieg heraushalten können. Das war nicht die Stärke 
des Militärs, sondern die Diplomatie der Politiker und ihre feste Haltung. 
Früher haben die Bundesräte ihre Ideen auf die Parteien übertragen, 
heute müssen sie von allen Parteien Wünsche in Empfang nehmen. 
Besonders gefällt mir, dass die Schweiz eine stabile Regierung hat. Es 
gibt wohl Nationalratswahlen, aber ihr Ausgang bringt die Regierung 
nicht ins Wanken, ganz im Gegensatz zu Österreich oder Deutschland. 
Den Ständerat finde ich schwerfällig. Da diskutieren zweihundert 
Nationalräte und fassen einen Beschluss, der dann von der kleinen 
Kammer wieder abgelehnt wird. Wenn ich etwas ändern könnte, würde 
ich etwas gegen diese Schwerfälligkeit des Zweikammersystems tun. 
Auf der anderen Seite muss man jedoch sagen, dass die Vergangenheit 
der Schweiz recht gibt. Im grossen und ganzen sind die Schweizer gast- 
freundlich, man kann mit jedem ins Gespräch kommen, wenn man will. 
Manchmal sind sie auch ein bisschen Krämer. 
Bundesrat Motta war der grösste Schweizer. Er war eine starke Per- 
sönlichkeit, die über alle Parteigrenzen hinweg den Ton angab. 
Erich Hoop, Eschen, *1922, Liechtensteiner, Rentner 
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