Mein Mann arbeitet als Sportfotograf in der Schweiz. 
Doch seinem Arbeitgeber war es nicht bewusst, dass er als 
Liechtensteiner in der Schweiz als «Ausländer» gilt, denn 
Liechtenstein wird von den Schweizern meist noch als 
zusätzlicher Kanton betrachtet. Als sie jedoch merkten, 
dass er als Ausländer zu behandeln ist, wurde er zuerst zur grenzsanita- 
rischen Kontrolle geschickt. Es war recht schwierig, einem Zürcher 
Beamten verständlich zu machen, dass Ausland nicht gleich Ausland ist. 
Ich habe zur Schweiz keine besondere Beziehung, da ich Vollblut- 
Liechtensteinerin bin. Aber dennoch steht man mit der Schweiz, 
bedingt durch die offene Grenze, viel stärker in Kontakt als mit Öster- 
reich. Von der Mentalität her ist der Schweizer reservierter, der Öster- 
reicher ist umgänglicher, lockerer. Als besonders angenehm erachte ich 
in der Schweiz die Sauberkeit und Ordnung. Wenn ich in Spanien, Ita- 
lien oder sonstwo im Ausland überall über den Abfall gestolpert bin, 
empfinde ich es als angenehm, bei der Rückkehr die schmucken Häus- 
chen mit den Geranienkistchen zu sehen. Dann mag ich die sogenannte 
«Bünzligkeit» der Schweizer. 
Ich würde die vielen Abstimmungen reduzieren, damit macht man 
das Volk abstimmungsmüde. Es besteht die Gefahr, dass irgendwann 
eine abstimmungswillige Minderheit regiert, welche jedoch nicht unbe- 
dingt die Meinung des Volkes verkörpert. Ein weiteres Problem ist das 
viele ausländische Geld auf Schweizer Bankkonten, dessen Herkunft, 
bedingt durch die grosse Menge, schwer abklärbar ist. 
Der Schweizer ist in der Regel gradlinig, engstirnig und traditionsbe- 
wusst. Dementsprechend präsentiert sich auch seine politische Haltung, 
die manchmal in einer fehlplazierten, sturen Neutralitätspolitik gipfelt. 
Mir imponiert Moritz Leuenberger, denn irgendwie ist er für mich 
immer der «Aufpasser» der Nation, den auch eine Schweiz braucht und 
der uns Liechtensteinern fehlt. 
Meine Informationen über die Schweiz erhalte ich durch die vielen 
Tageszeitungen, die wir abonniert haben, sowie durch die Tagesschau 
und DRS 3. Als Pressefotografin und durch die Arbeit meines Mannes 
lebe ich sowieso sehr intensiv mit dem täglichen Geschehen. Ich kenne 
zwar nicht jeden Ständerat oder Nationalrat, aber alle Bundesräte. 
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Brigitt Risch, Schaan, *1960, Liechtensteinerin, Pressefotografin 
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