europäischen Binnenmarkt und die Veränderungen im Osten verlangen 
aber Leute mit Visionen. Ausserdem sollte man die Bevölkerung viel 
mehr darüber informieren, was auf sie zukommt. 
Wenn man 700 Jahre feiert, wäre es wichtig, sich daran zu erinnern, 
wie die Schweiz es verstanden hat, verschiedene Völkerschaften zu einer 
Demokratie zu vereinigen und eine Stabilität zu erreichen, um die sie die 
Welt beneidet. Mir fällt aber auf, dass die Beteiligung des Bürgers bei 
Abstimmungen immer stärker zurückgeht. Der Grund ist wohl darin zu 
suchen, dass der Bürger wegen jeder Kleinigkeit zur Urne gerufen wird. 
Als Banker bin ich auf Grund des Zollvertrags in die schweizerische 
Bankenszene miteinbezogen. Ich empfinde es als Mangel, dass die 
Schweiz zu lange am Emissionsstempel festgehalten und dadurch einen 
Teil des Finanzgeschäftes an das Ausland verloren hat. 
Das wichtigste Problem der Schweiz ist zurzeit sicher die Frage, wie 
sie sich zum Aufbruch der Europäischen Gemeinschaft verhalten soll. 
Man steht den Ereignissen etwas ratlos gegenüber. Erst jüngst hat sich 
der Bundesrat zum Handeln entschieden. Wichtig wird sein, über den 
EWR-Vertrag binnenmarktähnliche Verhältnisse zu erreichen. 
Zu den typischen Merkmalen des Schweizers gehört seine Weltof- 
fenheit. Er ist bescheiden, arbeitsam und sparsam, steht zur Heimat, ist 
stolz auf seine Tradition und auf seine Vorfahren. Er ist als Arbeitskol- 
lege leicht integrierbar, viele sprechen zwei, drei Fremdsprachen. 
Für den bedeutendsten Schweizer halte ich Bundesrat Delamuraz. Er 
hat bisher am besten erkannt, worum es bei den Bemühungen um den 
wirtschaftspolitischen Entwurf einer europäischen Architektur geht. 
Der Elan und die Art und Weise, wie er diese Aufgabe angepackt hat, 
sind sehr vorbildlich. Bundesrätin Kopp hat sicher auch gute Arbeit 
geleistet, schade, dass sie gestolpert ist. Mir gefällt auch die Art, wie Eva 
Segmüller ihre politische Aufgabe wahrnimmt und ihre Ideen vertritt. 
Neben den einheimischen und einer Reihe ausländischer Zeitungen 
zählt die Neue Zürcher Zeitung zu meinen wichtigsten Nachrichten- 
quellen. Dazu kommen Finanz- und Wirtschaftsblätter. Die Berichter- 
stattung der Neuen Zürcher Zeitung finde ich sehr objektiv, übersicht- 
lich und recht international. Sie ist in politischer und wirtschaftlicher 
Hinsicht umfassend und deshalb meine tägliche Pflichtlektüre. 
Dr. Egmond Frommelt, Vaduz, *1927, Liechtensteiner, Bankier 
 
        

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