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Wenn ich an die Schweiz denke, denke ich zuerst an INeu- 
tralitit, an den wirtschaftlichen Zusammenschluss mit 
Liechtenstein und natürlich auch an das Militür, das sie 
abschaffen sollte. Nachdem die Schweiz doch neutral ist 
und jetzt auf der ganzen Welt der Gedanke in Richtung 
Frieden geht, sollte sie in dieser Hinsicht ein Vorbild sein. 
Ich hatte eine Schweizerin zur Frau und unterstand dem Postkreis St. 
Gallen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schweizer genau sind, 
korrekt, manchmal fast zu korrekt und in gewissen Dingen keine Tole- 
ranz walten lassen. Wenn früher zum Beispiel 20 Rappen in der Kasse 
gefehlt haben, dann musste man suchen und kam fast noch in den Ver- 
dacht, man habe sie «z'Fliiss» vertan. Negativ ist vielleicht, dass die 
Schweizer eine Einbildung haben, dass sie sich besser vorkommen 
gegenüber dem Rest der Welt. Viele empfinden gegen Deutschland 
noch so etwas wie Hass. Sie wollen nicht wahr haben, welche Veránde- 
rungen in den letzten Jahrzehnten vor sich gegangen sind. 
An der Schweiz gefällt mir die Schönheit der Berge und Landschaften 
und vor allem auch die Stabilität, dass auch in Notzeiten alles geregelt 
ist, dass für den Krieg vorgesorgt ist, beispielsweise durch den Zivil- 
schutz, dass man auch für die Zivilbevölkerung etwas tut, nicht nur fürs 
Militär. Was mir nicht gefällt, ist der übertriebene Militarismus. Das 
wäre auch der Punkt, wo ich etwas ändern würde. Man sollte in der 
Schweiz mehr auf die Jugend hören, das hat die Abstimmung über die 
Abschaffung des Militärs ja gezeigt: Da waren die Jungen dafür, die 
Alten sind immer noch richtige Krieger, die am liebsten ein Maschinen- 
gewehr zu Hause hätten. 
Die Schweizer sind arbeitsam, aber verschlossen. Jeder geht seinen 
eigenen Weg. Ihre Kontaktfreudigkeit ist nicht so wie zum Beispiel die 
des Österreichers. Bei einer Zugfahrt hat jeder die Zeitung vor sich. In 
Österreich hingegen beginnen die Leute zu erzählen oder singen, oder 
vielleicht wird noch Musik gemacht. Die Schweizer sind ein kaltes 
Volk, eigentlich eher materialistisch. Das hat sich auch bei uns einge- 
bürgert, es geht nur noch um schöne Häuser und um Wohlstand. Auf 
der anderen Seite sind sie sehr spendenfreudig gegenüber Notleidenden. 
Es wird mehr gespendet als man denkt, das habe ich durch meinen 
Beruf erlebt. Oft war ich überrascht, wie die Leute spontan Hilfe leisten. 
Einer der bedeutenden Schweizer ist sicher Pestalozzi. Es hat auch 
militärische Grössen gegeben, die sehr klug gedacht haben. Und einer, 
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