Dort, wo ich die Lehre machte, wurde oft gestöhnt über 
die «unmöglichen» Schweizer. Sie belächeln uns Liech- 
tensteiner, und wenn man sie fragt warum, haben sie 
keine handfesten Argumente. Sie geben aber offen zu, hier 
zu arbeiten, weil sie durch die vielen Feiertage beinahe 
eine Woche mehr Ferien haben. Ich habe die Kaufmännische Berufs- 
schule in Buchs besucht. Die Zusammenarbeit mit den Schweizern 
funktionierte einwandfrei. Angenehme Erinnerungen habe ich an 
Schweizer, die ich im Ausland kennenlernte. Sie waren immer zuvor- 
kommend und bereit, einem weiterzuhelfen. Mit einigen von ihnen 
stehe ich heute noch in Kontakt. 
Ich fühle mich von der Schweiz nicht abhängig. Ich arbeite in Liech- 
tenstein, die Schweiz ist nicht mein «Brötlegeber». Sonst, bei Abstim- 
mungen oder wie etwa jetzt, bei den Diskussionen über die EG, schaut 
man in die Schweiz, weil sich ihre Entscheidungen manchmal auf Liech- 
tenstein auswirken. 
Die Schweiz ist allein landschaftlich sehr vielfältig und bietet jedem 
Geschmack etwas. Spontan muss ich da an die tollen Skiorte, Seen, 
Weingebiete usw. denken. Leider sind auch die Preise in allen Belangen 
entsprechend. 
Was ich schlimm finde, ist, dass in der Schweiz viele unter dem Exi- 
stenzminimum leben müssen trotz «horrenden» Löhnen, Pensionskassen 
und AHV. Bei Spendenaufrufen für Katastrophengebiete werden hohe 
Beträge gespendet, und im eigenen Land vergisst man die Armut. 
Die Schweizer meinen manchmal, sie seien der «King», ohne sie gehe 
es nicht. Dass andere Staaten aufgeholt haben, übersehen sie. Sie sind 
stur — man muss nur die Vorgänge ums Frauenstimmrecht in Appen- 
zell betrachten. Sicher sind sie auch ein arbeitsames Volk. 
Als bedeutendste Schweizerin kommt mir spontan Vreni Schneider 
in den Sinn, bei den Politikern wäre ich für Bundesrat Delamuraz. 
Wenn ich Zeit habe, schaue ich die Tagesschau, dort wird über die 
Schweiz einiges berichtet. Sonst lese ich die Liechtensteiner Zeitungen. 
Durch Radio DRS 3 ist man ebenfalls informiert, auch darüber was 
neben den Nachrichten geschieht. 
E. 
Ulrike Konrad, Vaduz, *1966, Liechtensteinerin, kaufmánnische Angestellte 
  
  
        

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