Spontan fallen mir ein: Bundesrat, Matterhorn, Käse- 
fondue, verschneite Landschaft. 
Ich wurde in Luzern geboren und kam vor zehn Jahren 
nach Liechtenstein. Heimweh habe ich nicht unbedingt, 
aber ich vermisse die Landschaft und den See. Leben 
möchte ich allerdings nicht mehr in der Stadt. Vor allem im Sommer hat 
es zu viel Verkehr, es ist sehr lärmig, die Luft ist schmutzig. Da gefällt 
es mir hier schon bedeutend besser. 
Ich habe Mexiko und Südamerika bereist. Wenn ich zurückkam, war 
ich jedesmal froh, in der Schweiz wohnen zu können. Ich hatte immer 
das Gefühl, sehr viele Möglichkeiten zu haben, vor allem wohlstands- 
und bildungsmässig. In Südamerika ist das anders: Dort wird man ent- 
weder arm oder reich geboren und bleibt es sein Leben lang. Es hat mir 
gutgetan, als junger Mensch zu sehen, dass es nicht nur Wohlstand, 
Luxus und wohlorganisiertes Leben gibt. 
Die Schweiz bedeutet für mich Zugehörigkeit. Wenn es einmal wirk- 
lich schlecht geht, erhält man im Ort oder im Kanton, in dem man hei- 
matberechtigt ist, ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. 
Hier in Liechtenstein kann ich zwar nicht stimmen, nicht wählen, 
aber es gibt dasselbe Geld, dieselbe Post, auch Essen und Trinken sind 
gleich wie in der Schweiz. Und wahrscheinlich ist es dort für einen Aus- 
länder ebenso schwierig, Kontakte zu knüpfen, wie beispielsweise hier 
in Ruggell. Denn vor allem jene, die nie auswärts waren, begegnen 
Fremden sehr zugeknöpft, weil sie nie etwas anderes erlebt haben. 
Warum sollte man an der Schweiz etwas ändern? Bis jetzt hat alles 
funktioniert und zudem nicht schlecht. Natürlich gibt es Dinge, die man 
überdenken müsste, aber das wird sicherlich getan. Wenn ich an die 
Flüchtlings- und Asylantenprobleme denke, möchte nicht in der Haut 
der Bundesräte stecken. Oder der EG-Vertrag: Es wird für die Schweiz 
grosse Schwierigkeiten mit dem freien Personenverkehr geben. Für ein 
grosses Land wie Deutschland ist es sicher einfacher, hier zuzustimmen. 
Der Schweizer ist durch den Luxus und den Lebensstandard sehr ver- 
wóhnt. Jeder kann etwas lernen, hat ein Recht auf Schulbildung, auf 
Berufsausbildung. Auch finanziell ist jeder sichergestellt, wenn er 
arbeiten will. Manch einer schátzt das viel zu wenig. 
EK 
Margrith Amstad, Ruggell, *1952, Schweizerin, Hausfrau 
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