Beim Wort Schweiz denke ich an die Zeit nach dem 
Ersten Weltkrieg. Weil die Kronen kaputt gegangen sind, 
sind wir zur Schweiz gekommen. Diejenigen, die 
Schulden hatten, waren todfroh, ihre Kronenschulden 
wurden mit der Einführung des Frankens ausgelöscht. 
Meine früheste Erinnerung an die Schweiz geht in die Zeit des ersten 
Krieges zurück. Bei uns gab es überhaupt nichts, keine Seife, keinen 
Stoff. Die Schürzen für die Schulkinder musste man aus Bettüchern 
machen. Einmal bin ich mit meiner Mutter nach Sevelen gegangen, wo 
die Mutter beim Torkel einen Brocken Seife kaufte und ihn unter 
meinem Hut versteckte. Auf dem Rückweg hielt uns der Zöllner an und 
schickte uns ins Haus, wo meine Mutter durchsucht wurde. Ich stand 
daneben, aber zu mir sagten sie nichts. Dann durften wir über die 
Grenze. 
Später war ich in St. Gallen als Küchenhilfe in einer Wirtschaft. Ich 
wollte einfach einmal weg von daheim, und so ging ich zu einer Stellen- 
vermittlerin in Buchs. Ich musste einen Bogen ausfüllen, und man sagte 
mir, dass ich mindestens ein Jahr bleiben müsse. Den Bogen musste ich 
in der Stadt bei einem Amt abgeben, doch vorher habe ich aus dem 
Einser einen Viertel gemacht, weil ich meinen Entschluss bereits 
bereute. Um sechs Uhr früh musste ich aufstehen, die Wirtschaft, das 
Stiegenhaus und die Aborte putzen und das Frühstück herrichten. Dann 
habe ich den ganzen Tag in der Küche gearbeitet. Freizeit gab es keine. 
Ich hatte die ganze Zeit Heimweh. Als am Heiligen Abend die Glocken 
làuteten, weinte ich. Wir feierten unter dem Weihnachtsbaum, ich 
erhielt eine Schürze, eine Schachtel Pralinés und ein Taschentuch. Ich 
hatte dermassen Heimweh, dass ich zu Bett ging, während die anderen 
feierten. Nach einem Vierteljahr habe ich gekündigt. 
Heute mache ich mindestens einmal im Jahr eine Wallfahrt nach Ein- 
siedeln und bete dort in der Gnadenkapelle. Das habe ich einmal ver- 
sprochen, und so halte ich es, solange ich kann. Wenn ich einmal nicht 
mehr gehen kann, so bezahle ich das jemand anderem, solange ich lebe. 
Ohne die Schweiz kann ich mir das heute nicht mehr vorstellen. Wie- 
viele sind doch früher als Gipser in die Schweiz gegangen! Der «Hega- 
Ferdi» war immer das ganze Jahr in der Schweiz und ist nur zu Weih- 
nachten nach Hause gekommen. Heute ist alles anders, heute gibt es hier 
genug Arbeit. 
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