Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/79/
Anschlussgefahren Dies war noch in einer Kriegsphase, als die deutschen Heere Europa beherrschten und siegreich weiter vordrangen. Wie dann aber die «Volks­ deutsche Bewegung» im Lande selber seit dem Frühjahr 1941 in der Ausein­ andersetzung mit Gegnern des Nationalsozialismus Rückschläge erlitt und nachdem ab 1942/43 der Krieg sich zu Ungunsten Hiders wendete, wurde in der «Volksdeutschen Bewegung» weniger vom Anschluss gesprochen. Die meisten Mitglieder glaubten schliesslich nicht mehr an einen liechten­ steinischen Anschluss und waren in der zweiten Kriegsphase froh, dass er sich nicht hatte verwirklichen lassen.76 Hinter dem Anschlussstreben der «Volksdeutschen Bewegung in Liech­ tenstein» stand einerseits die Ubereinstimmung mit der nationalsozialisti­ schen Ideologie für Staat und Gesellschaft, andererseits aber auch - in neuem Rock - der alte Zweifel an der eigenen Kraft des Ländchens, Arbeit und Brot für alle zu schaffen. Dem in Deutschland erstehenden gleissend Neuen, Sozialen, Grossen, Mächtigen - so glaubten die liechtensteinischen Nationalsozialisten - gehöre die Zukunft. Liechtenstein und die Schweiz müssten früher oder später zu dieser grösseren Zukunft stossen und in ihr aufgehen. Es ist bekannt, auf welcher menschenverachtenden, verbrecheri­ schen Basis jenes zum Vorbild genommene System und Regime Hiders beruhte und wie der Wahn endete. Liechtenstein blieb schliesslich knapp vor dem Anschluss und dessen Glanz und Elend verschont, dank einer grossen, nicht angesteckten, «hei- mattreuen»77 Mehrheit des Volkes, dank der geschickten Aussenpolitik un­ ter Regierungschef Hoop, mit Anlehnung an die Schweiz und freundlicher Neutralität gegenüber Deutschland, dank aber auch und vor allem der Kleinheit des Ländchens, welches dem Reich eine spezielle Aktion «Blau­ rot» gegen Liechtenstein nicht wert schien. Von Grossdeutschland als Annex der Schweiz behandelt, verdankte Liechtenstein seine Bewahrung vorab auch der Tatsache, dass die Schweiz nicht besetzt wurde, und damit der in dieser Hinsicht erfolgreichen schweizerischen Politik, letztlich aber, übers ganze gesehen, dem für Grossdeutschland ungünstigen Kriegsver­ lauf, dank den alliierten Anstrengungen und Opfern. 76 Diverse Interviews des Verfassers mit ehemaligen Mitgliedern der «Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein». 77 «Heimattreu» umschrieb damals die Haltung aller, die dem Nationalsozialismus widerstanden und sich für die Selbständigkeit des Landes einsetzten; z. B. LLA RF190/ 196. 83
        

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