Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/68/
Peter Geiger haben, Teil parallel laufender diplomatischer Bemühungen, die von Bedeu­ tung blieben, war sein Abendgespräch mit dem französischen Botschafter in Wien dennoch. c) Deutsche Orientierung Liechtensteins (1919/20)? In jenen Monaten und ersten Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erschienen noch weitere Anschluss-Möglichkeiten für Liechtenstein am Horizont. Wäre Osterreich mit Vorarlberg damals an Deutschland ange­ schlossen worden - wozu der Wille in Osterreich einschliesslich der ge­ samtösterreichischen Regierung und Karl Renners stark war, weil man an die Lebensfähigkeit eines Rumpfösterreich nicht glaubte -, so wäre das klei­ ne Fürstentum seinerseits an die Grenze eines grösseren Deutschland gerückt.50 Die Pariser Friedenskonferenz hätte es dann, bei Aberkennung der Souveränität, ebenfalls Deutschland anschliessen mögen. Bei Anerken­ nung der liechtensteinischen Souveränität aber hätte Liechtenstein die Option eines Wirtschaftsanschlusses nach Norden, eben zu Deutschland hin, ins Auge fassen können. Überlegungen zu einer solchen wirtschaftli­ chen Orientierung stellte der damalige Schriftleiter des «Liechtensteiner Volksblatts», Dr. Eugen Nipp, in der Tat an.51 Dies geschah freilich zu einer Zeit, da Deutschland als Weimarer Republik einen demokratisch-liberalen Weg einschlug. Indem die Entente-Mächte aber einen Anschluss Österreichs an Deutschland nicht zuliessen, würden für Liechtenstein die skizzierten Anschluss-Optionen in Richtung Deutschland hinfallig - wenigstens auf 20 Jahre hinaus, bis 1938 der Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland neue Gefahr und Verlockung auch für Liechtenstein bringen sollte. Jedenfalls war 1919 des Amerika-Liechtensteiners oben erwähnte Frage zur Zukunft Liechtensteins - «Bleibt es selbständig oder verschlingt es die Schweiz oder Vorarlberg?» - aus grösserer Perspektive nicht ganz abwegig. 50 Vgl. Witzig, 159 ff., 191 ff. - Vgl. auch die Aufsätze von Zaugg-Prato, Steininger sowie Dobras, alle in: Eidgenossen helft, 55 ff., 65 ff., 191 ff. - Vgl. Dreier/Pichler, 85 ff., 119 ff. 51 L. Vo., 24. April 1920, Anmerkung der Schriftleitung zu «Eingesandt». 72
        

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