Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/58/
Peter Geiger Der aufgeklärte Fürst Alois II., der zu Konzessionen und politischen Reformen Hand bot, hatte seinem Landvogt immerhin auch eine unmiss- verständliche Weisung erteilt: «... so befehle ich Ihnen... andererseits aber, so ungern ich die Last fremder Occupation über das Land, das ich liebe, verhängt sehen würde, mit Aufforderung an die östreichischen Autorithaeten nicht einen Augenblick zu säumen, falls eine Ruhestörung, was Gott verhüten wolle, eintreten, Ordnung und Gehorsam nicht alsogleich ohne fremde Macht herzustellen seyn sollte.»22 Österreichische Polizei oder Truppe hätte demnach im März 1848 auch einem allfälligen republikanischen Aufstands- und Anschlussversuch an die Schweiz Halt gebieten sollen. Das eigene Truppenkontingent, das Liechtenstein damals noch besass, wagte man in den Revolutionsmonaten nicht einzuberufen, da man ihm nicht traute. Ein österreichischer Odnungseinsatz wurde nicht nötig; er wäre wegen der verworrenen Revolutionssituation in Österreich selber auch kaum möglich gewesen. b) Grossdeutsch mediatisiert? Dafür erwartete man viel von der Deutschen Nationalversammlung, die in der Frankfurter Paulskirche zusammentrat, um Deutschland eine freie, feste Verfassung zu geben. Die Liechtensteiner wählten Peter Kaiser als Ab­ geordneten zur Paulskirche, nach ihm den Arzt Dr. Karl Schädler. Kaiser weilte 1848, Schädler 1849 je für einige Monate in Frankfurt. Liechtenstein war in jenen Jahren durch Rheinüberschwemmung, Kartoffelfäule, Rüfen, Versumpfung und wirtschaftliche Absperrung in einer hoffnungslos bedrängten, isolierten Lage. Einen Ausweg erhoffte man ebenfalls über die Neuordnung Deutschlands. Nun zeigte sich freilich, dass die Paulskirche nicht nur mehr Freiheit zu handeln und zu wandeln geben wollte, sondern dass sie das Gebilde von knapp 40 Staaten zu einem Reich mit starker Zentralgewalt zusammenzu­ schmieden plante. Das musste für das arme kleine Land heisssen: mehr Kosten, weniger Selbständigkeit. Die liechtensteinischen Revolutionsaus­ 22 Fürst an Landvogt Menzinger, 11. März 1848, LLA RC 100/C/3. - Geiger, Geschichte, 53 ff., 70 f., 129 f. - Geiger, Paulskirche, 11. 62
        

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