Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/56/
Peter Geiger Die Franzosen warfen Österreich und Vorarlberg nieder, erschienen wieder in Feldkirch, der französische General Frömern presste von dort aus monatelang dem Fürstentum Verpflegung für Mannen und Rosse ab. General Froment schrieb am 10. Oktober 1809 an Schuppler: «Der König von Bayern wird wohl bald von des Fürsten von Liechten­ stein seinem Lande Besitz nehmen.»18 Diese Erwartung hielt sich auch als Gerücht in jenem Herbst in Liechten­ stein hartnäckig. Liechtensteins Situation war durchaus delikat, weil Fürst Johann, dessen Land als Rheinbundstaat mit Napoleon verbündet war, dennoch persön­ lich auf österreichischer Seite gekämpft und verloren hatte. Hätten nun die Bewohner des Rheinbund-Fürstentums sich wirklich gegen Napoleon erhoben - an Vorarlbergs Seite so hätte das bundesbrüchige Liechten­ stein von Napoleon kassiert und der bayrischen «Ländergier»19 geopfert werden mögen. Damit ist eine dritte Anschlussgefahr - neben Verkauf und neben Anschluss an Österreich - in jener Zeit sichtbar geworden. 6. Zugang zum Wiener Kongress und zum Deutschen Bund Nach Napoleons Russland-Desaster gelang dem Fürsten der schrittweise Ubergang ins Lager der gegen den Korsen gerichteten Koalition, unter völ­ kerrechtlicher Bestätigung der Souveränität. Die ganze Napoleonische Zeit mit dem Zusammenbruch des alten deutschen Reiches, den Mediatisierun- gen, Länderverschiebungen und Kriegen überdauerte Liechtenstein, wie Malin zutreffend feststellt, vor allem aufgrund von vier Faktoren, nämlich dank dem überragenden Ansehen des Fürsten, dank der Erlangung der Souveränität, dank der Kleinheit des armen Ländchens sowie dank der geopolitischen Randlage.20 Sie bestimmten als Konstanten die aussenpoliti- sche Situation des Fürstentums bis zum Zweiten Weltkrieg. Als 1814 und 1815 die Koalition gegen Napoleon am Wiener Kongress die Zukunft Europas und Deutschlands beriet, hatten sich die «minder­ mächtigen» deutschen Staaten gegenüber den königlichen Grossen 18 Zit. Malin, 144. 19 Malin, 144. 20 Malin, 147 f., 158 ff. 60
        

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