Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/53/
Anschlussgefabren Dass hierbei als Kaufinteressenten auch der Bischof von Chur und der Abt von Sl 
Gallen auftraten, zeigt, dass das heutige Liechtenstein, hätten Bischof oder Abt höher geboten, entweder Teil Graubündens oder des äbtischen Fürstenlandes und jedenfalls Teil der heutigen Ostschweiz hätte werden können. Der Bischof von Chur zeigte ein Interesse an Schellen­ berg, weil dieses ihm bei Religionsstreitigkeiten mit den Bündner Protestan­ ten «als Asylum dienen» könnte, während er es, wie er schrieb, wegen den Erträgnissen nicht kaufen müsste. Schon schien der Bischof von Chur mit 100 000 Gulden als Käufer Schellenbergs festzustehen, als plötzlich aus der Ferne Fürst Johann Adam von Liechtenstein dem Kaiser ein höheres Ange­ bot von 115 000 Gulden machte. Der Bischof von Chur bot zwar 110 000 Gulden, überliess Hann aber Schellenberg dem Liechtenstein, der, wie der Bischof enttäuscht schrieb, offenbar überflüssiges Geld habe. Fürst Hans Adam aber brauchte das reichsunmittelbare Gebiet, um zur Fürstenwürde auch den wirklichen Einsitz auf Reichs- und Kreistagen neh­ men zu können. Da Schellenberg aber flächenmässig noch nicht genügte, erwarb er schliesslich auch Vaduz, das sonst einen andern Weg hätte gehen mögen. Als dem Fürsten übrigens wegen Verzögerungen beim Kauf von Vaduz die Geduld ausging, erwog er ernstlich, auf den Kauf von Vaduz zu verzichten und auch Schellenberg wieder zu veräussem und stattdessen Mindelheim oder eine andere Besitzung zu erwerben. In diesem Falle hätte der Churer Bischof wieder bieten können.9 So bestanden an der geschichtlichen Schwelle zum Fürstentum Liech­ tenstein «Anschluss»-Ideen von Seiten der geistlichen Nachbarn und gewisse Anschlussmöglichkeiten. Diese kamen von aussen, wenn auch den indirekten Anstoss dazu die Bewohner mit ihren schliesslich zum Wechsel der Herrschaft fuhrenden rechtlichen Klagen gegeben hatten. Als entschei­ dend für den Übergang an das Haus Liechtenstein hatte sich die Qualität der Reichsunmittelbarkeit der zwei Gebiete erwiesen. Das 1719 zum Reichsfürstentum Liechtenstein erhobene Land gehörte nun zum Schwä­ bischen Kreis, einem der zehn Kreise, in welche das Reich eingeteilt war, Liechtenstein war eines von über 300 Staatswesen im Reich, eingefügt und in seinem Bestand gesichert - solange nicht etwa der Fürst wieder an einen Verkauf denken sollte. Seger, Bodmann, in: JBL 1978,196 ff. - Kaiser, 427 f., 443 f. 57
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.