Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/43/
Struktur bedingungen des Kleinstaates Wenn sich - wie in kleinräumigen Gesellschaften notgedrungen - Gefühls-und Kollektivleben miteinander verbinden, setzt eine selbstzerstö­ rerische Dynamik ein. Sobald einzelne Personen oder Gruppen neue Gefühle oder Vorstellungen entwickeln, ist der Bestand der Gemeinschaft gefährdet: «Wer sich ändert, «verrät» die Gemeinschaft. Die individuelle Abweichung bedroht die Stärke des Ganzen. Deshalb müssen die Men­ schen beobachtet und geprüft werden. Misstrauen und Solidarität, die scheinbar so gegensätzlich sind, fallen zusammen.»60 Die Menschen betreiben die öffentlichen Angelegenheiten dann ent­ weder im Geiste ergebener Zurückhaltung oder auf der Basis von Gefühls­ regungen, was beides inadäquat ist. Denn mit den öffentlichen Angelegen­ heiten kann angemessen nur auf der Grundlage von nicht-personalen Bedeutungen umgegangen werden. Auch für Liechtenstein kann in ironi­ scher Sprache gelten, dass «jede Person in gewissem Masse ein Horrorkabi­ nett ist und dass daher zivilisierte Beziehungen zwischen Personen nur so weit gelingen, wie die hässlichen kleinen Geheimnisse des Begehrens, der Habgier, des Neids darin eingeschlossen bleiben.»61 
Die Beschäftigung mit den öffentlichen Angelegenheiten muss auf der Sachebene stattfinden, damit dieser Raum nicht endeert wird, und es braucht die Bereitschaft und den Mut zum Engagement; denn «in dem Masse, wie die Menschen lernen können, ihre Interessen in der Gesellschaft entschlossen und offensiv zu verfolgen, lernen sie auch, öffentlich zu handeln.»62 Im erstmaligen Kulturbericht der Regierung an den Landtag vom Dezember 1989 (Nr. 61/1989) wird ausgeführt, dass politisch-kulturelle Gespräche landesweit und wenn möglich auch über die Landesgrenzen hinaus geführt werden müssen: «Ein Dialog kann zwar nicht erzwungen, wohl aber behutsam gefördert werden.»63 An anderer Stelle heisst es: «Heute kann es nicht mehr nur darum gehen, sich im Ausland vor­ zustellen, sondern darum, dass auch die umgekehrten Wege geebnet und die Bürger des eigenen Landes mit dem Andersartigen fremder Kul­ turen und Nationen bekanntgemacht werden. Ein «partnerschaftlicher Austausch» hat gerade auch «die Selbstdarstellung anderer Staaten» im eigenen Land zu ermöglichen. Denn Verständigung setzt gegenseitiges, 60 Ebd., 349. 61 Ebd., 17. 62 Ebd., 382. 63 Kultuibericht, 12. 45
        

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