Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/28/
Arno Waschkubn lichkeiten zu privater Abweichung, zum Dissens und zur gesellschaftlichen Nischenbildung weniger gross. Vom gesamtgesellschaftlichen System des Kleinstaates mit knapper Res­ sourcenbasis her gesehen müssen ausserhalb des eigenen Systems kompen­ satorische Systeme für nicht erbrachte ökonomisch-instrumentelle Lei­ stungen vorhanden sein. In Sonderheit der Zoll- und Währungsvertrag, der PTT-Vertrag und diverse weitere Abkommen Liechtensteins mit der Schweiz (liechtensteinische Interessenvertretung im Drittausland, Verein­ barungen im Schul- und Hochschulwesen etc.) erfüllen diese Funktion. Man kann also von einer Vertragsgemeinschaft Liechtensteins mit der Schweiz sprechen. Allerdings besteht hierbei stets die Gefahr, zu sehr in das Gravitationsfeld des gewichtigeren Partners hineingezogen und politisch mediatisieit zu werden. Kleine Systeme mit externer Abhängigkeit (z. B. auch von Weltmarkt- Konjunkturen) und interner Autonomie weisen, wenn sie erfolgreich sind, wie zuvor erwähnt, relativ häufig konsensuale Konfliktregelungsmuster und korporatistische Verhandlungsformen oder Interessenvermittlungssy­ steme nach dem Prinzip der Sozialpartnerschaft auf. Ferner gehört es zur Bedingungskonstellation gegenwärtiger moderner Kleinstaaten, dass sie ein hohes Exportvolumen aufweisen: «Ihre Grösse und ihr Grad an Diversifi­ kation reichen weder dazu aus, um alles, was der Kleinstaat braucht, selbst zu produzieren, noch, um alles, was produziert wird, intern zu konsumie­ ren. Die naheliegende und universell beobachtbare Lösung dieses Problems besteht darin, sich auf externe Märkte auszurichten und entsprechend zu spezialisieren.»35 Das typische Kleinstaatendilemma, von dem wir bereits gesprochen haben, besteht grundsätzlich darin: «Wie können einerseits die zur Kompensation interner Einseitigkeiten und Restriktionen notwendigen Import- und Exportbeziehungen aufrechterhalten werden, ohne anderer­ seits allzuviel nationale Autonomie zu verlieren.»36 Diese Problemstellung existiert nicht nur im Bereich wirtschaftlicher Märkte, sondern ist analog für kulturelle, wissenschaftliche, technologische und ebenso für politische Beziehungsfelder gegeben, sofern der Kleinstaat von sich aus eine «Selbstisolation» vermeiden, aber auch keine allzu weitge­ hende, identitätsbedrohende Anpassung erbringen will. Ich habe es bereits 35 Eisenstadt, 70. 36 Ebd., 71 ff. 30
        

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