Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/238/
Helga Michalsky «In unserem Lande bestehen glücklicherweise keine auf verschiedener Weltanschauung beruhende politische Parteien. Es gibt bei uns keine konservative, keine sozialistische und keine liberale Partei, keine Republikaner usw., wie in anderen Ländern, z. B. im Kanton St. Gallen. (...) Die Weltanschauung der grossen Masse und auch der Leser und Anhänger dieses Blattes ist bei uns auf die katholische Religion gegrün­ det. (...) Von Parteien lässt sich bei uns höchstens in dem Sinne reden, dass die einen mehr den Fortschritt betonen, während die andern ein etwas lang­ sameres Tempo gegenüber dem Modernen halten. Wir wollen darum weder behaupten, dass die einen etwa Erzreaktionäre noch die andern Neuerer und Draufgänger seien. Immerhin ist dem Volke der Gegensatz bekannt, wenn auch dafür eine klare Formel zu fehlen scheint. Die Ver­ schiedenheit der Anschauung unserer Leute sollte im Wesen nur in der sachlichen Auffassung beruhen. Verschieden kann die Auffassung sein, über den gesetzlichen Ausbau unserer Verfassung, über den Ausbau des Steuerwesens, die Förderung des Verkehrs und Hebung des Wirt­ schaftslebens überhaupt. Diese und andere Gebiete lassen der verschie­ denen Auffassung weiten Raum. (.. .)»74 Bei der Namensgebung, die schliesslich im Wahlkampf 1918 erfolgte, ent­ schied man sich für den Namen «Christlich-Soziale Volkspartei»,75 ohne dass die Gegenpole dieser politischen Richtung, Liberalismus und Sozialis­ mus, eine Spannung im Parteiensystem hätten schaffen können. Für beides fehlten die sozialstrukturellen Voraussetzungen. Die Ziele und das Wahlprogramm der Volkspartei hauen keinen revolu­ tionären Charakter, und die Unterschiede zum Programm des politischen Gegners waren minimal. Im Wahlkampf, d. h. in den Beiträgen der Ober­ rheinischen Nachrichten unterstrich die Opposition die Unterschiede in den Sachpunkten. Sie betonte dabei, dass sie es war, die hier für Verände­ rung plädiert hatte, und führte die Sachpunkte daher auch als Belege für ihre Fortschrittsfreudigkeit an. Beck wollte das Land aus dem Schatten der europäischen Entwicklung herausreissen und es wirtschaftlich und poli­ tisch modernisieren. 74 O.N. 16.2.1918. 75 O. N. 6.3.1918; vgl. O. N. 23.3.1918. 248
        

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