Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/235/
Entstehung der Parteien Im Rückblick zeigt sich, dass dies nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Parteiensystem war. Mochten die Wahlkampfgegner auch hinsichtlich Parteien unterschiedliche Vorstellungen haben, im Wahlkampf traten sie wie Parteien gegeneinander an, und der Wahlkampfstil ist dem späterer Wahlkämpfe schon sehr ähnlich. Das Volksblatt führte für seine überparteiliche Position zwei Grundsätze ins Feld. Seine Wahlliste enthalte auch Kandidaten, die der gegnerischen Partei angehörten, und die Abgeordneten sollten im Landtag keinerlei Abstimmungszwang unterworfen sein. Das Programm der Wahlliste sollte daher mehr Orientierungs- und Empfehlungscharakter haben, nicht aber die Abgeordneten auf bestimmte Abstimmungspositionen festlegen.64 Diese Grundsätze richteten sich direkt gegen den Abgeordnetentyp, den man beim politischen Gegner kritisierte. Beachtung verdienen in diesem Zusammenhang die Entstehung der Volksblatt-Liste und das von ihr präsentierte Programm. Bereits in den Kommentaren zum neuen direkten Wahlrecht hatte das Volksblatt nach einer eher skeptischen Befürwortung der Wahlrechtsänderung65 betont, dass man die Wahl nicht der Einflussnahme der oppositionellen Kräfte überlassen dürfe. Jeder habe eine gesteigerte Verantwortung durch seine direkte Stimmabgabe. Auf ihre Verantwortung beriefen sich auch einige Männer um das Volksblatt, als sie nach einigen Treffen dem Volk ihre Wahlliste vorlegten, damit die Wahl möglichst aus dem Sog des Parteiwe­ sens herausgehalten werde. Dem schlechten Einfluss, der nach Auffassung des Volksblattes in der letzten Wahl sich gezeigt hatte, sollte auf diese Weise gegengesteuert werden." Die Kandidatenliste des Volksblattes für das Oberland wurde als erste Wahlliste überhaupt veröffentlicht.67 Sie enthielt auch die Namen von zwei Männern, die der Gegenseite zuzurechnen waren, einer war Dr. Wilhelm Beck. Die Liste war indessen kein Kompromiss zwischen der parteifeindli­ chen Mehrheit und der Oppositionspartei, sondern sie war ohne vorherige gegenseitige Abstimmung zustandegekommen. Die Liste enthielt acht Namen für sieben Mandate. Zwei Abgeordnete des alten Landtages, der 64 L.V. 22.2., 8.3.1918. 65 L.V. 25.1.1918. 66 L.V. 1.2., 15.2.1918. 67 L.V. 22.2.1918. 245
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.