Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/231/
Entstehung der Parteien den Landtagsprotokollen forderte, nicht zuletzt weil er seine eigenen Reden nicht ausfuhrlich genug referiert fand im Vergleich zu den ausführlich wie­ dergegebenen Redebeiträgen des Regierungschefs, blieb es nach dem Votum des Landtagspräsidenten bei der bisher üblichen zusammenfassen­ den Berichterstattung. Bei der ersten dieser Gelegenheiten reagierte er etwas ungehalten und fertigte Dr. Beck mit dem Hinweis ab, stenografierte Protokolle seien etwas für grössere Parlamente, sie selbst seien indessen eher einem Gemeinderat vergleichbar, und grosse Reden würden im Land­ tag nicht gehalten.4' Dieser Auffassungsunterschied ist charakteristisch für die am reinsten von Dr. Albert Schädler verkörperte konservative Landtagstradition, die sich einem wirklich parlamentarischen Stil als unangemessen widersetzte. Im Laufe der Wahlperiode kam es zu einem Konflikt über die Rechte des Landtages gegenüber dem Regierungschef wegen der Kompetenzen der Landesnotstandskommission (Beratung der Regierung oder Ent­ scheidung). In diesem Konflikt standen sich schliesslich Regierungschef und Landtag gegenüber; er wird zu Recht als Beleg für die wiedererwa­ chenden demokratischen Bestrebungen im Lande angeführt.50 Gerade die­ ser Fall zeigt aber auch, wie zögerlich dieser Weg von der Mehrheit beschritten wurde. Diese stimmte der Forderung nach Entscheidungskom­ petenz erst zu, nachdem der Regierungschef sich mit einer Entscheidung, die im Lande heftig kritisiert wurde, über den Beschluss der Kommission hinweggesetzt hatte.51 Dagegen hatte Beck bereits 1915 seine Wiederwahl in diese Kommission vergeblich abgelehnt mit der Begründung, er wolle nicht Mitglied einer Kommission sein, deren Beschlüsse nicht ausgeführt wer­ den müssten.52 1916 kam es aus demselben Anlass zu einer hitzigen Debatte zwischen dem Regierungskommissär und Beck, und dabei wurde deutlich, dass der Konflikt nicht nur zwischen diesen beiden schwelte, sondern dass das Problem der «Beschluss(un)fähigkeit» auch schon in der Kommission selbst erörtert, aber noch nicht befriedigend gelöst worden war.53 Ausser dem Sachverhalt selbst, der schliesslich im Sinne der Kommission entschieden wurde, ist ein Argument der Auseinan­ 49 L.V. 12.12.1914. 50 Geiger, Volksvertretung, 52. 51 L.V. 7.12.1917. 52 L.V. 17.12.1915. 53 L.V. 19.1.1917. 241
        

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