Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/229/
Entstehung der Parteien 4. und nicht zuletzt die Verpflichtung, gegenüber den Abgeordneten, die nicht zur eigenen Gruppe gehörten, erkennbar eigenständig aufzutreten. Ein Verhalten, das sich an diesen Grundsätzen orientierte, war noch kein Programm im Sinne einer «Partei», aber es hatte doch programmatischen Charakter, was das Verhalten anging. Es war zudem im Kern oppositionell, indem es sich gegen viele Routinen und damit gegen das Verhalten derjeni­ gen richtete, die dem Landtag jähre- oder gar jahrzehntelang ihren Stempel aufgedrückt hatten. Allein in dem Anspruch, dass erst die Abgeordneten der neuen Richtung richtige Volksvertreter seien, lag eine Herausforderung an die Institution und die Mitabgeordneten. b) Die «Pariamentarisierung» des Landtages Die parlamentarische Tätigkeit, die sich auf dieser Grundlage entwickelte, hatte eine inhaltliche und eine formal-prozedurale Seite. Beide waren wich­ tig für die Etablierung eines neuen, «politischen» Geistes. In dieser Phase kommt der Infragestellung bisher praktizierten Verhaltens, der Berufung auf parlamentarische Verhaltensweisen, die anderswo längst eingeführt waren, vielleicht sogar die nachhaltigere Wirkung zu. Ein selbstbewusstes, auf Rechte pochendes Auftreten der Abgeordneten sollte das Gewicht des Landtages insgesamt heben und das politische Bewusstsein der Bevölke­ rung entwickeln - ein Bewusstsein dafür, dass die Abgeordneten etwas tun mussten, damit Forderungen nach Veränderung Gegenstand der parla­ mentarischen Debatte werden konnten, und dass sie im Ringen um ver­ schiedene Möglichkeiten einen Kompromiss finden mussten. Das war im Grunde nichts Neues, aber der Ablauf der Debatte änderte sich grundle­ gend. Der Landtagspräsident war nicht mehr zugleich Diskussionsführer und vermittelte gegebenenfalls zwischen der Landtagsauffassung und der Position des Regierungskommissärs, sondern es kam nun immer öfter zu einem rhetorischen Schlagabtausch zwischen dem Landtagspräsidenten auf der einen und Dr. Beck auf der anderen Seite. Die Amtsführung des Land­ tagspräsidenten war nicht länger der Diskussion entrückt. Die Landtagsarbeit blieb nicht mehr in den eingefahrenen Traditionen, die sich über Jahrzehnte in dem kleinen Land herausgebildet hatten, son­ dern sie wurde von einigen Parlamentariern nun an Massstäben gemessen, die von aussen hereingetragen waren.45 In dieser Hinsicht war die Landtags­ 45 Sehr kritisch Schädler, 8 f. 239
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.