Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/227/
Entstehung der Parteien 3. Frischer Wind im Landtag: Die Opposition wird aktiv a) Die Bildung einer Fraktion Von den fünfzehn Abgeordneten des neuen Landtags waren sieben zum erstenmal gewählt. Darunter waren vier Abgeordnete der «neuen Rich­ tung», alle für das Oberland.41 Der erste «Wahlkampf» war also durchaus erfolgreich gewesen. Entsprechend dem Wahlverfahren war jeder Abgeordnete ein unabhän­ giger Volksvertreter, gewählt von den Wahlmännern seiner Landschaft. Die Landtagswahl war eine reine, indirekte Persönlichkeitswahl. Traditio­ nell hatten die besten Wahlchancen Männer mit einem öffentlichen Wir­ kungskreis in ihren Gemeinden: vor allem Ortsvorsteher, Postmeister und Gastwirte;42 meist übten sie mehr als eine dieser Tätigkeiten gleichzeitig oder nacheinander aus. Fast alle waren ausserdem Landwirte. Es gab indes­ sen auch Abgeordnete, die «nur» Landwirte waren, aber in ihren Gemein­ den öffentliche Ämter bekleidet hatten oder bekleideten. Ortsvorsteher und Postmeister gehörten zu den wohlhabenderen Bürgern ihrer Gemeinde und verdankten ihr Amt auch ihrer sozialen Stellung. Aufgrund ihres Amtes oder als Wirte standen sie in engem Kontakt mit sehr vielen Bürgern. Die Landtagsabgeordneten waren vor allem Vertreter von Gemeindeinteressen. Sie waren allesamt mit den Problemen ihrer Dörfer gut vertraut und fest verwurzelt in der dörflichen Sozialordnung. In ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeit hatten sie in gewissem Umfang Erfahrun­ gen in öffentlichen Angelegenheiten gesammelt und konnten ihren Stand­ punkt auch in einem etwas grösseren Kreis vortragen. Ein Redeparlament war der liechtensteinische Landtag jedoch nach seiner mehrheitlichen Zu­ sammensetzung nicht. Ausser den Vertretern der agrarischen Bevölkerung wurden immer auch einige aus dem kleinen Kreis der Gebildeten in den Landtag gewählt oder vom Fürsten ernannt. Ärzte, Tierärzte, Geistliche und Lehrer bildeten diese Gruppe, der im Landtag die Führungsrolle zufiel. So waren alle vier 41 Der Abgeordnete Albert Wglfinger, der zu dieser Gruppe gehörte, war im vorherigen Landtag als Stellvertreter 1913 für den verstorbenen Xaver Bargetze nachgerückt, er war also im Landtag nicht ganz neu. 42 Vgl. Vogt, Landtag, 120. 237
        

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