Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/221/
Entstehung der Parteien den Augen von Radikalen anachronistisch. Auch der Umstand, dass Liech­ tenstein an die Schweiz mit ihren ausgedehnten Volksrechten grenzte und eine beträchtliche Zahl von Liechtensteinern als Saisonarbeiter in der Schweiz unmittelbare Erfahrungen mit diesem System sammelten und die politischen Meinungen der Schweizer Arbeiter kennenlernten, konnte Anlass zu kritischem Vergleich und Unzufriedenheit geben. Selbst der Blick auf die Verhältnisse beim eng verbundenen Nachbarn Österreich belehrte darüber, dass dort bei vergleichbaren politischen Zuständen die Opposition sich zumindest in Parteien und Zeitungen ein Sprachrohr geschaffen hatte.23 Die liechtensteinischen Verhältnisse waren demgegenüber durch eine apolitische Genügsamkeit gekennzeichnet, die schon deshalb trügerisch sein konnte, weil Unzufriedenheit vorhanden war, aber nicht artikuliert werden konnte. Es fehlte an Kenntnissen über die politische Ordnung in Liechtenstein, an Foren, z. B. einer politischen Zeitung, die den Kenntnis­ stand hätte verbessern können, und an einer politischen Auseinanderset­ zung im Landtag. Das Jahr 1912 war zudem ein schlechtes Erntejahr, und das Jahr 1913 wurde noch schlimmer, weil zusätzlich zu einer Missernte die Maul- und Klauenseuche den Viehhandel, den wichtigsten Exportzweig Liechtensteins, zum Erliegen brachte. Die Unzufriedenheit, die die neue Gewerbeordnung unter der Mehrheit der Gewerbetreibenden auslöste, kam hinzu. Man kann nicht sagen, dass die Stimmung, auf die Dr. Beck mit seinen Vorstellungen traf, explosiv gewesen sei, aber es gab Anlässe genug, die zur Kritik herausforderten. Die Kombination aus objektivem politischem Rückstand, angespannter Wirtschaftslage und der Mobilisierungskraft: Becks half die der Führung so bequeme Apathie der Bevölkerung überwin­ den. b) Wahlkampf mit Hilfe der «Oberrheinischen Nachrichten» Angesichts der Presseverhältnisse in Liechtenstein war es nur konsequent, dass die führenden Männer des Unternehmens mit wachsendem Erfolg bei der Mobilisierung von Anhängern recht bald an ein Presseorgan dachten, mit dem sie ihre Anhänger ansprechen, ihnen die politischen Ver­ 23 Vgl. Bilgeri, 457-498. 231
        

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