Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/22/
Arno Waschkuhn vierung, «wie sie beispielsweise aus einer Identifikation mit den Zielen und Bestandsproblemen des Gesamtsystems, aus... personalen Bindungen zu anderen Mitgliedern (z. B. auf der Basis von Verwandtschaft und Freund­ schaft) oder aus Vorstellungen genereller «Pflichterfüllung» und «Solidari­ tät» heraus entstehen»23 und in der Regel so auch begründet werden. Andererseits erhöhen sich unter diesen Bedingungen natürlich auch die Möglichkeiten des einzelnen Mitglieds, seine besonderen Fähigkeiten und Interessen innerhalb des Sozialsystems tatsächlich zur Geltung zu bringen und dadurch die Festlegung oder Ausgestaltung der internen Auswahlre­ geln und Strukturmuster in einem erheblichen Masse zu beeinflussen. Gleichzeitig erwächst jedoch die Gefahr, dass aufgrund der schmalen Mit­ gliederbasis bestimmte Handlungsträger - in Sonderheit bei Rollenkumula­ tion - die jeweils erforderlichen Fähigkeiten und Erfahrungen für sich monopolisieren, ihr erworbenes Handlungswissen nicht weitergeben und wegen einer eventuell mehrfachen «Personalunion» bei ihrem selbstge­ wählten oder erzwungenen Ausscheiden aus zentralen Positionen womög­ lich ein nur schwer zu füllendes Vakuum hinterlassen. Auch auf diese Weise werden sie der Tendenz nach «unersetzbar». Es gehört indes zur sog. «Uberschaubarkeit» in kleinen Systemen, dass die Mitglieder unabhängig von ihrer jeweiligen strukturellen Position die Gesamtsituation des sozialen Systems sowie die wichtigsten Teilkompo­ nenten besser und angemessener als in grösseren Systemen in ihr kognitives Wahrnehmungsfeld einbeziehen können. Auch erübrigt die Verwobenheit persönlicher und sozialer Regelkreise einen hohen Verfahrensaufwand zur Konsensbildung und Konfliktbereinigung, erleichtert aber ebenso die so­ ziale Kontrolle und führt zu direkteren und ganzheitlicheren Sanktionsfor­ men. Mit anderen Worten: Kommunikationsprozesse in kleinen Kommu­ nitäten sind «oftmals weniger auf einen Lebenskreis begrenzt, sondern sie involvieren und verletzen auch mehr. Wer politisch oder familiär Misserfolg hat, kann auch beruflich-wirtschaftlich stärker betroffen sein und umge­ kehrt.»24 Auch das hängt mit der Kleinheit zusammen. Der Soziologe Georg Sim- mel stellt in seinem Standardwerk: «Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung» im Kapitel über den «Raum und die 23 Ebd. 24 Neidhart, 455. 24
        

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