Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/20/
Arno Waschkuhn glas») gerade im klein(st)staatlichen Rahmen. Diesen Problemen ist durch die Beschäftigung mit Esoterik, wie sie in Liechtenstein stark verbreitet ist, wohl kaum zu begegnen. In dem erwähnten Liechtenstein-Band («Ansichten und Einsichten») führt Gerard Batliner aus, dass dem kleinen Staat in der Tat manches fehlt, «was der grosse bietet: die Mächtigkeit wie der weite, kulturelle, wissen­ schaftliche, berufliche, wirtschaftliche Freiraum und die Ausweichmöglich­ keiten ins rein Private.» Jedoch überrage der «kleine, freiheitliche Staat... den grossen, wo es darum geht, dass die Gewichte weniger erdrückend seien und die Stimme eines jeden noch Einfluss habe, der Verwaltungs- und Rechtsweg kurz und die kleine Freiheit wirklich sei. Und wenn zum Menschsein auch die Möglichkeit gehört, einen Beitrag zu leisten und eine Aufgabe zu haben, nicht nur in der Familie, sondern auch in der grösseren Gemeinschaft, dann hat der kleine Staat etwas voraus; denn er ist auf die verantwortliche Mitwir­ kung eines jeden angewiesen. Der kleine Staat ist ein Extremmodell, wie es auch der sehr grosse ist. Der Kleinstaat ist eine Art existentialistisches Gemeinwesen. Er ist eine Nation, eine civitas. Das passt vielleicht nicht für jeden. Doch das Geschenk in den durchaus gegebenen Grenzen bleibt nicht aus: die Einwurzelung und Beheimatung im erlebbaren Gemeinwesen und die souveräne Hoheit des Bürgers, des Einzelmen­ schen.»19 Soweit einige Überlegungen zur Sozialpsychologie und den Strukturbedin­ gungen des Kleinstaates und zur ambivalent zu beurteilenden sowie sich darstellenden Situation in Liechtenstein. Ansichten und Einsichten, die ich lediglich zur Diskussion stellen und der Reflexion anheimgeben möchte - nicht mehr und nicht weniger. Was aber bedeutet dies alles für den politi­ schen Entscheidungsprozess? Welche Implikationen und Auswirkungen können hiervon, von der Kleinheit und Interdependenz, von den Struktur­ elementen und im Blick auf die politische Kultur abgeleitet und verortet werden? Generell kann gesagt werden, dass sich die Komplexität des politischen Entscheidungsprozesses nach den systemspezifischen Bedingungen der Gesamtgesellschaft bemisst. Der Kleinstaat Liechtenstein weist dabei gera­ 19 Batliner, Beitrag, 10. 22
        

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