Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/183/
Liechtenstein im Integrationsprozess schaftsimperialen Instruments, das expansiv eingesetzt werden kann. Nicht ohne Grund kursieren deshalb im Lager der EFTA-Staaten einige Satellisie- rungsängste. Zweitens: Die zeitliche Dimension. Die Doppelfunktion des Binnen­ marktes als Modernisierungs- und Expansionsstrategie steht jedoch unter dem eingangs erwähnten verschärften Zeitdruck. Die neue Politik des «offenen Binnenmarktes» erschliesst der Gemeinschalt zwar grössere Märkte und neue Partner. Indem sie die anderen Staaten Europas aber in der einen oder anderen Weise am Binnenmarkt partizipieren lässt, riskiert sie zugleich, an Identität und Führungsprofil zu verlieren. Um dies zu ver­ hindern, muss die Europäische Gemeinschaft ihr eigenes Integrations­ tempo beschleunigen, um in der Öffnung nicht an Anziehungskraft und Dominanz einzubüssen. Sie muss - vereinfacht ausgedrückt - den Dritt­ staaten in Sachen Integration immer um einige Schritte voraus sein. Die Anpassungseffekte, die der Binnenmarkt nach aussen hin setzt, wirken also als Integrationsimpulse auf den EG-internen Bereich zurück. Auch dies ist eine Erscheinungsform der Interdependenz. Innen- und Aussenseite des Integrationsprozesses beschleunigen sich gegenseitig, geradezu dialek­ tisch.30 Und zwar nicht nur, was die zeitgerechte Erfüllung des Binnen­ marktprogramms betrifft. Auch die politische Integration in der Perspek­ tive der Einheitlichen Europäischen Akte und natürlich die Bemühungen um eine Wirtschafts- und Währungsunion bekommen auf diese Art und Weise Anstösse von aussen. Wen diese Schlüsse auf Tempo und Entwicklungsverlauf des europä­ ischen Integrationsprozesses zu theoretisch und abstrakt anmuten, dem mag eine konkretere Begründung nachgeliefert werden. Auch sie hängt mit der deutsch-deutschen Situation zusammen. Wie - so wird zunehmend gefragt - wird die wohl nicht mehr aufzuhaltende Vereinigung der beiden deutschen Staaten wohl mit deren EG-Mitgliedschaft vereinbar sein, wenn nicht im Rahmen einer deutlich stärker integrierten, ein politisches «Aus­ gleichsgewicht» bildenden Europäischen Gemeinschaft?31 Wahrscheinlich kann nur diese kurzfristig das Dach schaffen, unter dem sich die Einheit der Deutschen rasch so vollziehen kann, dass niemand in Europa Grund zur Siehe zur Dialektik und Abfolge von Systemerweiterung und Integrationsvertiefung der EG auch Riklin. Siehe Das Parlament, Nr. 11 vom 9. März 1990, 14. 191
        

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